Tratak – Augenreinigung

Alle abgebildeten Abschluss- und Hausarbeiten im Spiritainment sind im Rahmen von Inner Flow Yoga-Ausbildungen entstanden. Sie sind weiter geistiges Eigentum der Autor*innen und werden mit deren freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht.
Inhalt

für den vollen Durchblick auf allen Ebenen

Wieso denn die Augen reinigen?

Davon kann ich ein Lied singen: Mit etwa Anfang 40 werden die Augen häufig schlechter, viele sind dann von der sogenannten Altersweitsichtigkeit betroffen. Ob das daran liegt, dass sich der Fokus vielmehr nach innen richten will und das Außen mit zunehmendem Alter Stück für Stück mehr an Wichtigkeit verliert, weiß ich nicht. Jedenfalls wäre das doch eine schöne Erklärung für ein wohl eher unangenehmes Phänomen. Und ob die Augenreinigung nun wirklich der Sehkraft der physischen Augen hilft, kann ich aus eigener Erfahrung (noch) nicht beurteilen. Dennoch bin ich begeistert, mit der Kriya bzw. Reinigungsübung Tratak, also der Augenreinigung, nun eine Methode an der Hand zu haben, mit der ich selbst ganzheitlich auf meine Augen (physisch und spirituell) Einfluss nehmen kann. Denn nicht nur die Sehkraft soll sich bei regelmäßigem Üben verbessern, sondern auch das Dritte Auge  – das Chakra oder Energiezentrum, das in der Mitte des Kopfes bis zur Mitte der Stirn zwischen den Augenbrauen sitzt – soll dadurch geöffnet werden (vgl. Schuchart, S. 153, und yoga-vidya.de). Dieses Chakra steht für Hellsichtigkeit, Erkenntnis und Intuition. Na, wenn das kein Anreiz ist!

Wie funktioniert Tratak?

Für die Augenreinigung gibt es verschiedene Methoden. Ich möchte hier vor allem auf das sogenannte Kerzenstarren eingehen. Tratak wird häufig auch als „Lichtmeditation“ bezeichnet. Was könnte es Schöneres geben, als sich mit dem Licht zu verbinden, dem feinstofflichen Licht, das unser innerstes Wesen, unser Höheres Selbst, den Meister in uns, ausmacht und durch die Kerzenflamme auf wunderschöne Art symbolisiert wird. So stelle ich es mir zumindest vor. Ich liebe Kerzen. Das habe ich schon immer. Als mein Sohn klein war, habe ich Kerzen etwas – im wörtlichen und übertragenden Sinn – aus den Augen verloren. Der Fokus lag zu der Zeit woanders. Doch inzwischen, mein Sohn ist jetzt zehn, haben Kerzen wieder Einzug in unser Leben gehalten. Nicht nur zum Geburtstag oder in der Weihnachtszeit, sondern auch so, ganz alltäglich, wenn man es sich gemütlich machen, und/oder meditieren möchte. 

Doch nun zurück zu Tratak. Tratak ist also eine Meditationsform. Sie ist die erste der sechs in der Hatha (Yoga) Pradipika beschriebenen Reinigungsübungen (Shatkriyas). Auch in den Upanishaden und im Ayurveda spielt sie eine Rolle. Bei Tratak geht es darum, in einer Meditationshaltung für einen gewissen Zeitraum auf ein Objekt – in diesem Fall die Flamme einer Kerze – zu starren. Damit will man den Geist beruhigen und für meditative Konzentration sorgen. 

Detaillierte Anleitung für Tratak

Tratak kann man im Falle des Kerzenstarrens beispielsweise wie folgt anleiten bzw. erklären: 

Setze dich in den Lotossitz (Padmasana) oder nimm eine andere Sitzhaltung mit überkreuzten Beinen ein. Du kannst dich auch auf einen Stuhl setzen. Wichtig ist, dass sich der Gegenstand, denn du gleich anstarren wirst – in diesem Fall die Kerzenflamme – auf Augenhöhe in etwa 1,5 bis 3 Meter Entfernung zu dir befindet. Atme entspannt. Schaue, ohne zu blinzeln auf die Flamme, idealerweise den bläulichen Teil nahe des Dochtes. Achtung: Die Flamme muss groß genug bzw. die Kerze entsprechend heruntergeschnitten sein, sodass man die komplette Flamme sehen kann. Sie sollte nicht winzig klein sein wie bei einem fast erloschenen Teelicht. Zudem steht sie optimalerweise in einem möglichst dunklen Raum, damit die Augen den Kontrast der Flamme zur Umgebung gut wahrnehmen. Du richtest nun deinen intensiven Blick ohne zu blinzeln für etwa drei Minuten auf den blauen Teil der Flamme, fixierst sie also mit deinem Blick. Bleibe trotz des Starrens so entspannt wie möglich. Anschließend schließt du die Augen und schaust dir das „Nachbild“, das nun vor deinem inneren Auge erscheint, für etwa eine Minute an. Möglicherweise siehst du die Kerzenflamme, etwas anderes oder einfach nur Dunkelheit. Alles ist in Ordnung. Stelle dir den Gegenstand zum Beispiel in deinem Dritte-Auge-Chakra vor. Achte darauf, was du wahrnimmst. Mit der Zeit wirst du das Nachbild immer deutlicher wahrnehmen. Wenn das Bild verschwindet, beginnst du wieder von vorn mit dem Starren, insgesamt drei Mal. Wenn die Augen dabei feucht werden und tränen, ist das ein gutes Zeichen. Wenn sie jedoch anfangen zu brennen, oder es unangenehm wird, schließe sie. Du kannst die Dauer allmählich steigern, immer im Verhältnis 3 zu 1 in Bezug auf das Starren und das Augen-geschlossen-Halten. Du kannst auch zunächst mit einer oder zwei Minuten Starren beginnen.

Was Tratak soll, wie es wirkt

Neben der physischen Augenreinigung will man durch Tratak die Sehkraft stärken, den Geist beruhigen und eine gute Konzentrationsfähigkeit entwickeln. Zusätzlich stimuliert man Nervenzentren und wirkt Müdigkeit entgegen, da man über die Sehnerven das Gehirn stimuliert. (vgl. Schuchart, S. 153). Wie bereits erwähnt, kann Tratak auch zur Öffnung des Dritten Auges beitragen. Man verbindet sich mit dem inneren Licht und bekommt so mit der Zeit einen immer besseren Zugang zu sich selbst.

Wann und wie häufig kann man Tratak üben?

Tratak kann man gut täglich praktizieren. Es bietet sich auch an, damit eine längere Meditation oder eine Yogastunde einzuleiten. Der Geist wird beruhigt und man startet dann fokussiert und konzentriert mit der weiteren Praxis. Aufgrund dieser Wirkungen bietet sich Tratak sicher auch an, bevor man einen wichtigen (beruflichen) Termin hat, oder wenn man sich über etwas Bestimmtes klar werden möchte, einem aber noch der Durchblick fehlt. Genauso wirksam kann Tratak sein, nachdem man etwas Anstrengendes erlebt hat, von dem man sich erst mal wieder entspannen möchte. 

Andere Formen von Tratak

Im Gegensatz zum Starren kann man Tratak auch mit einem weichen Blick üben. Der Ablauf ist derselbe wie beim Starren, aber in diesem Fall schaut man mit weichem Blick quasi durch die Kerzenflamme hindurch ins Unendliche (vgl. yoga-vidya.de). Möglicherweise sieht es zwischendurch so aus, als wären dort zwei Kerzenflammen. Oder man erkennt einen Lichtkranz um die Flamme herum. Diese Variation von Tratak soll die Konzentration und Wahrnehmung noch stärker verfeinern und subtiler machen. Sie hilft dabei, leichter in einen meditativen Zustand zu kommen. Diese Art der Meditation „führt oft auch zu einer Ausweitung des Bewusstseins und zu einer sehr tiefen, berührenden Erfahrung von Weite und/oder Stille“ (yoga-vidya.de).

Tratak für Fortgeschrittene

Wer schon geübter ist, möchte vielleicht noch andere Formen von Tratak üben. Man muss für Tratak nämlich nicht unbedingt eine Kerze zur Hand haben. Je nach Geschmack bieten sich auch andere Gegenstände fürs meditative Starren an. Das kann zum Beispiel ein schönes Symbol, ein Bild oder eine Skulptur sein. Bestenfalls etwas, das einem gut gefällt und angenehme Gefühle hervorruft. Man kann auch die eigene Nasenspitze fokussieren oder den Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna Chakra/ Drittes Auge). Das Fokussieren auf die Nasenspitze soll das zentrale Nervensystem positiv beeinflussen, während das Starren auf die Stirn/das Dritte Auge die Kundalini-Energie wecken soll (vgl. yoga-vidya.de). In klaren Nächten eignen sich auch der Mond oder ein Stern für Tratak. Wer mit unterschiedlichen Gottheiten und ihren Qualitäten vertraut ist, mag vielleicht mit einem Götterbild oder einer Götterstatue meditieren und sich dadurch noch mehr mit der entsprechenden Qualität verbinden und damit den eigenen Geist auf eine höhere Stufe heben. Hier gibt es dann nochmals unterschiedliche Möglichkeiten: Man kann beispielsweise die Details des Bildes oder der Statue fixieren. Oder sich während der Meditation auf die göttliche Gegenwart, die immer und überall präsent ist, konzentrieren. Auch in Kombination mit einem Mantra kann das gut funktionieren. Darüber verbindet man sich dann noch stärker mit dem jeweiligen göttlichen Aspekt (vgl. yoga-vidya.de).

Naturelemente sind eine weitere Möglichkeit, Tratak zu üben. Hier richtet man während der Meditation auf ein Naturelement (zum Beispiel eine Blume oder eine Muschel) seine liebevolle Achtsamkeit auf Form, Zeit und Zustand – die drei Arten der Veränderung. Dadurch soll sich ein intensives Wissen um Vergangenheit und Zukunft entwickeln. 

Weitere Augenübungen

Vor allem, wer viel am Bildschirm arbeitet, aber auch alle anderen profitieren von regelmäßigen Augenübungen oder Augen-Yoga. Sie stärken die Sehkraft,  die Augenmuskeln und sorgen für Entspannung bei gleichzeitiger Klarheit. Zudem unterstützen diese Übungen ebenfalls die Öffnung des Dritten Auges. Die folgenden Augenübungen seien an dieser Stelle beispielhaft beschrieben. Sie bieten sich nach dem Tratak, aber auch unabhängig davon, tagsüber im Sitzen oder Stehen an, wenn man einen neuen Energieschub für die Augen braucht. 

Ablauf der Meditation (vgl. yoga-vidya.de): Man nimmt einen ruhigen und entspannten Sitz ein, bei dem man die Wirbelsäule aufrecht hält und die Augen zunächst schließt. Beim Ausatmen atmet man bewusst entspannte Energie vom Bauch in die Augen. Anschließend verfährt man wie folgt:

  • Augen öffnen. Nach rechts schauen. Nach links schauen. Etwa vier bis acht Mal pro Seite. Augen schließen und sich beim Atmen vorstellen, wie man entspannt in die Augen atmet.
  • Augen öffnen. Nach oben schauen. Nach unten schauen. Jeweils etwa vier bis acht Mal. Augen schließen und wieder entspannt in die Augen atmen.
  • Augen öffnen. Nach rechts oben schauen. Nach links unten schauen. Jeweils vier bis acht Mal. Augen schließen und entspannt in die Augen atmen.
  • Augen öffnen. Nach links oben schauen. Nach rechts unten schauen. Vier bis acht Mal wiederholen. Augen schließen und entspannt in die Augen atmen.
  • Die Augen öffnen und kreisen, dabei oben beginnen. Mit dem Blick einen weiten Kreis beschreiben: nach rechts, nach unten, nach links, wieder nach oben. Vier bis fünf Mal, zuerst rechts herum und dann genauso oft links herum. Wieder die Augen schließen.
  • Augenkreisen in Form einer liegenden Acht. Oben beginnen, nach rechts oben, rechts unten, nach oben, links oben, links unten und so weiter – vier bis fünf Mal. Augen schließen.
  • Nah und fern schauen im Wechsel. Erst zur Nasenspitze schauen, dann weit weg. Vier bis acht Mal. Dann die Augen schließen und entspannt in die Augen atmen. 
  • Oder: Den rechten Arm auf Augenhöhe ausstrecken, Faust formen, nur den Daumen nach oben strecken, so halten. Erst zur Nasenspitze schauen, dann zum Daumen, anschließend weit weg. Dann wieder zum Daumen und zur Nasenspitze zurück. Das Ganze vier bis acht Mal wiederholen.  
  • Variation: Ausgangshaltung wie in der vorangegangenen Übung. Blick auf den Daumen fokussieren und diesen langsam in Richtung Nasenspitze führen, indem man den Arm anwinkelt. Der Blick bleibt auf den Daumen gerichtet. Anschließend den Arm langsam wieder strecken, den Daumen von der Nasenspitze wegbewegen und mit dem Blick folgen. Zehn Wiederholungen: Beim Einatmen den Daumen zur Nase hinführen, beim Ausatmen den Arm langsam wieder strecken und den Daumen von der Nase weg bewegen. 

Entspannung nach Tratak

Um die Augen nach dem Üben zu erfrischen und zu entspannen, bietet sich das Palmieren an. Hierfür reibt man beide Handflächen so lange aneinander, bis sie sich angenehm warm anfühlen. Dann legt man die Handteller leicht über die geschlossenen Augen, ohne die Augen zu berühren. Mit leicht gesenktem Kopf lassen sich die Hände einfacher in dieser Position halten. Man konzentriert sich auf die entspannende und energetisierende Wärme, die von den Händen ausgeht. Das kann man zwei bis drei Mal wiederholen. Anschließend mit gesenkten Händen und geschlossenen Augen gerne noch einmal nachspüren und die Entspannung genießen. Übrigens: Zwischen allen der oben erwähnten Augenübungen kann man das Palmieren anwenden. 

Natürlich kann man wie bei jeder Yogapraxis auch mit dem Shavasana, der Totenstellung, abschließen. Man legt sich einfach flach auf den Rücken, Arme seitlich entlang des Körpers mit den Handflächen nach oben, Beine ausgestreckt, Füße etwa hüftbreit auseinander, die Fußspitzen fallen entspannt zur Seite. So tankt man auf allen Ebenen neue Kraft; Körper, Geist und Seele fühlen sich nachher entspannt und mit neuer Energie versorgt an. 

Quellenverzeichnis

  • Linnartz, Kerstin (2018): „Mouna, Kriyas, Tratak – Yoga kann mehr als Asanas!“, https://www.yogaeasy.de/artikel/mouna-kriyas-tratak-mudras-reinigungsuebungen-yoga , zuletzt aufgerufen am 19. März 2023
  • Maurer, Katharina (2019): „Die besten Yoga-Übungen für die Augen“, https://www.yogaeasy.de/artikel/die-besten-yoga-uebungen-fuer-die-augen , zuletzt aufgerufen am 19. März 2023
  • Schuchart, Uli (2023?): „Inner Flow Yoga Handbuch“
  • „Tratak Meditation – der meditative Blick“, https://www.yoga-vidya.de/meditation/meditationstechniken/tratak-lichtmeditation/ , zuletzt aufgerufen am 19. März 2023
  • Foto von Jose A.Thompson auf Unsplash
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