Wassermeditation

Alle abgebildeten Abschluss- und Hausarbeiten im Spiritainment sind im Rahmen von Inner Flow Yoga Ausbildungen entstanden. Sie sind weiter geistiges Eigentum der Autor*innen und werden mit deren freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht.
Inhalt

Be water, my friend

Diese Arbeit kreiert eine Fantasiereise zur Tiefenentspannung. In dieser Wassermeditation wird der Weg eines Tautropfens bis ins Meer und die weitere Transformation bis zum kosmischen OM durchlebt. Dazu werden besondere Qualitäten von Wasser als Informationsspeicher genutzt. Vorangehend werden der diesbezügliche Forschungsstand sowie eigene Erfahrungen beim Umgang mit Wasser erklärt.

WASSER

Be water, my friend. Empty your mind. Be formless, shapeless, like water. You put water into a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle, it becomes the bottle. You put it into a teapot, it becomes the teapot. Now water can flow or it can crash. Be water, my friend.

Bruce Lee, Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=cJMwBwFj5nQ

Wasser ist eine mächtige Substanz. Wir kennen die Stein-höhlende Kraft des steten Tropfens, das Zerstörungspotential bei Fluten oder Überschwemmungen. Oder die Tragfähigkeit beim Schwimmen. Die Lebensnotwendigkeit für den Körper allen Lebens. Doch die Fähigkeiten des Wassers sind wesentlich weitreichender. Sie überschreiten damit die Grenzen der herkömmlichen Wissenschaft. Und sie eröffnen völlig neue Möglichkeiten, sich um das eigene körperliche wie seelische und mentale Wohlbefinden zu kümmern.

Erfahrungen

Während des Lockdowns, als Vorbereitung zum Besuch der Apenteich-Quelle, einem alten, keltischen Kraftort, sah ich mir die Dokumentation „Water – die geheime Macht des Wassers“ an. Die dort präsentierten Ergebnisse der Wasserforschung haben mich fasziniert. Meine unmittelbare Reaktion war, dass ich seitdem mein Tee- und Kaffewasser „segne“. Indem ich über meine Hände entweder einfach das Gefühl unmittelbarer Liebe einströmen lasse. Wie wir es ja auch aus Begrüßungs- oder Abschiedskreisen bei manchen Yogastunden kennen. Oder ich leite die Phantasie eines perlenden Gebirgsbaches, eines durch Verdunstung leicht werdenden Tautropfens, eines wogenden Meeres hinein. Sprich, ich versuche, dem Wasser eine neue oder eine im modernen Rohrsystem verlorene Information zu geben. Denn, so die Kern-Theorie dieser Dokumentation, Wasser kann auf verschiedensten Wegen Informationen aufnehmen, speichern und weitergeben. Für mich bedeutet das, dass sich auch die Qualität von Wasser durch Information verändern lässt.

Im Yoga-Vidya-Zentrum in Bad Meinberg gibt es Trinkwasserbrunnen mit drei Hähnen, aus denen auf unterschiedliche Weise informiertes Wasser fließt. Umkehrosmose – ein Reinigungsverfahren. Verwirbeltes Wasser, dem durch ein entsprechend konstruiertes Rohrsystem die Struktur natürlichen Bach-Wassers wiedergegeben wird. Sowie Grander-Wasser, das an einem Zylinder mit seinerseits informiertem Wasser vorbeigeleitet wird. Die Aroma-Unterschiede sind beträchtlich. Ähnliches gilt ebenso für meine Getränke, die mir nun samtiger und geschmacklich runder vorkommen als zuvor. Meine Gesundheit und mein Wohlbefinden haben sich gleichfalls um einiges gesteigert.

Seitdem habe ich mich verstärkt mit dem Thema Wasser beschäftigt, mit den Möglichkeiten und Formen, Wasser zu energetisieren, zu strukturieren oder zu informieren. Faszinierenderweise scheint bereits die Arbeit daran, insbesondere an der hier nun vorliegenden Fantasiereise, meinem eigenen Körperwasser interessante Impulse gegeben zu haben. Meditationen am Ende der entsprechenden Tage waren stets komplexer, ergebnisreicher, weitreichender. Mit Meditation meine ich in diesem Zusammenhang nicht die Stille nach innen, sondern das konzentrierte, aufmerksame Öffnen gegenüber Informationen aus dem persönlichen Unter- wie der Cloud des kollektiven Überbewusstseins und dem, was sonst noch so an Botschaften in Sukshma Sharira vorhanden ist.

 Im Rahmen solchartiger Meditationen, außerhalb dieser Arbeit, gab es auch mehrere Erfahrungen, die unmittelbar in den Verlauf der Geschichte eingegangen sind. Die eine war die Wahrnehmung einer von außen einfließenden, unabhängigen Energie, die sich nur im Gefühl reiner Liebe wieder ableiten ließ. Eine andere war die Offenbarung der „Fraktalen Unendlichkeit“ – der Erkenntnis, dass sich in jedem einzelnen Punkt erneut ein Raum mit unendlichen Dimensionen eröffnet. In dem sich wiederum alles unendlich oft wiederholt. Vorstellungen von Zeit und Raum werden damit komplett hinfällig. Dafür bietet sich eine Ahnung von bzw. eine Zugänglichkeit zu der Bedeutung des Begriffes „Brahman“. Dies weiter auszuführen allerdings gäbe Anlass für eine eigene umfangreiche und hochphilosophische Arbeit. Hier wird nun dadurch allein der transformative Akt unterstützt. Eine dritte Erfahrung ist diejenige einer Kommunikation auf energetischer Grundlage, jenseits von verbaler oder Körpersprache. Diese findet nicht nur zwischen Menschen, sondern auch z.B. im Umgang mit Pflanzen statt, prinzipiell zwischen allen belebten Wesen.

Hintergrund und Forschung

Wasser ist nicht einfach eine Ansammlung von H2O-Molekülen in den üblichen Aggregatzuständen gasförmig, flüssig oder fest. Moderne Forschung zeigt, dass es Clusterbildungen gibt, durch Wasserstoffbrücken verbundene Moleküle. Diese scheinen einerseits zwar äußerst flüchtig zu sein, andererseits jedoch auf das weitere Verhalten des Wassers nachhaltige Wirkung zu haben, mithin eine Art Information zu enthalten. Desgleichen bilden sich an den Grenzflächen zu anderen Substanzen sogenannte „Ausschlusszonen“, in denen Wasser einen viskosen, besonders reinen und  geladenen vierten Aggregatzustand annimmt. Auch auf diese Weise  wird Wasser informiert.

 Natürliches Wasser strömt aus Quellen, fließt in Bächen, Wasserfällen oder Flüssen und folgt dort gewundenen und spiralförmigen Bahnen.  Dadurch wird ein hoher Anteil an „Hexagonalem Wasser“ – sechseckig verbundenen Molekülen – erzeugt.

Heutiges Leitungswasser ist in dieser Hinsicht völlig tot. Durch hohen Druck in Pumpen, durch rechtwinklige Leitungssysteme, durch Zugaben von Chlor u.Ä. wird jede Information gelöscht. Durch verschiedene Methoden kann dem Wasser allerdings Struktur zurückgegeben werden.

Aufsehenerregende Forschungsergebnisse zu strukturiertem Wasser lieferte bereits in den 90er Jahren Prof. Masaru Emoto mit seinen Bildern von Wasserkristallen. Dazu setzte er Wasser diversen informativen Einflüssen aus. Er beschallte es mit unterschiedlichen Formen von Musik, Klassik z.B. oder Heavy Metal. Oder er beschriftete die Glasbehälter mit positiv bzw. negativ behafteten Begriffen wie z.B. „Liebe“ oder „Hass“, mit Namen bekannter Persönlichkeiten wie „Mutter Theresa“ oder „Hitler“. Anschließend ließ er die Flüssigkeit schockgefrieren und fotografierte die Eiskristalle. Das Ergebnis: je harmonischer die Musik, je positiver der Begriff oder die Besetzung der Persönlichkeit, desto gleichförmiger, ausgewogener und ästhetischer fiel auch die Kristallbildung aus. Sprich: auf welche Weise auch immer hatte das Wasser offensichtlich auf die Botschaft reagiert, diese Reaktion gespeichert und wieder geäußert. Und das nicht nur auf etwas noch irgendwie Erklärbares wie eine Schwingung bei der Musik, sondern auch rein mental im kollektiven Bewusstsein verankerte Informationen.

Ähnliche Ergebnisse erzielten Prof. Bernd Kröplin und Regine C. Henschel, die ebenfalls auf verschiedenste Weisen informiertes Wasser anschließend auf Objektträger auftropften, trocknen ließen und endlich vor dem Dunkelfeld ablichteten. Die beobachteten Phänomene waren erstaunlich. Wasser nahm nicht nur Information auf, sondern gab sie, sogar ohne direkten Kontakt und über Distanz, auch weiter. Und diese Informationen reflektierten  gleichfalls nicht nur physikalische Umstände wie z.B. Bestrahlung mit Mikrowellen oder Musik, sondern ebenso beispielsweise die Befindlichkeit oder die vorher gehörte Musik des jeweiligen Experimentators. Jedoch: „Die Art, wie die Phänomene bei sensiblen Versuchen sichtbar werden, wie diese vom absichtsvollen oder absichtslosen Schauen, von der Person des Experimentators abhängen, ist unverstanden. Es sieht so aus, als ob jenseits des Phänomens die Wirklichkeiten ähnlich wie archetypische Begriffe wie vorgeformt vorliegen und im Augenblick der Beobachtung im Phänomen ihre reale Gestalt annehmen.“ (Kröplin, Henschel, S.126f). Damit stehen sie im Einklang mit den Erfahrungen der Quantenphysiker, die bereits in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, feststellten, dass ihre Experimente nicht unabhängig vom Ausführenden betrachtet werden konnten (vgl. H.P. Dürr: Geist, Kosmos und Physik, sowie die Doku „Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit“.

In der Dokumentation „Water – die geheime Macht des Wassers“  wird dargestellt, dass menschliche Emotionen weitaus stärker als beispielsweise elektromagnetische Felder den Energiegehalt von Wasser wie auch dessen Stabilität erhöhen (https://youtu.be/4nYDYxXy0-U; 0:11:40 f). Weiterhin wird erläutert, dass durch die Bewegung der Wassermoleküle im Gehirn dort eine Prägung hinterlassen wird. Dies bedeute, dass das Wasser an der Strukturierung des Gehirnes mit beteiligt sei (a. a.O.; 43:13 f). Desgleichen soll Mantras zu rezitieren bzw. Gebete zu sprechen sich positiv auf die Struktur des Körperwassers auswirken (a.a.O.; 0:46:00 f). Schließlich wird sogar die Theorie einer Kommunikation aller Teile des Universums untereinander aufgestellt. Wobei für die Erde Wasser der wesentliche Informationsträger sei (a.a.O. 0:55:00 f).

Die Idee

Angeregt durch die oben genannte Dokumentation, begann ich also, meinem Teewasser Liebe zuströmen zu lassen oder die Vorstellung eines glücklichen Wasserzustandes.  Aus dieser eigentlich kurzen Fantasie entstand schnell der Gedanke, einmal weitere Aspekte auf dem Weg von Wasser zu visualisieren. Das Gefühl der Leichtigkeit beim Verdunsten. Den Sog im Inneren eines Baumes. Das Zusammenballen in einer Gewitterwolke. Das Versickern im Erdreich. Auskristallisieren im Eis. Puzzlestücke, die irgendwann Raum für eine umfangreiche Vision boten. Sentenzen wie Rumis „You are not a drop in the ocean. You are the entire ocean in a drop.“ (Skript, S. 36) boten willkommene Anhaltspunkte. Der Ozean allerdings stellte sich nicht als Ziel, sondern lediglich Transformationsgrenze heraus, da er seinerseits kein Absolutum darstellt, sondern weitergehenden Einflüssen unterliegt. Und wie bereits erwähnt, auch in dieser Hinsicht interagierte mein nunmehr stimuliertes Körperwasser vermutlich mit anderen Aspekten meines Denkens und regte meine Fantasie zusätzlich an. Zudem ein ganz wesentlicher Aspekt: durch die Gezeiten entsteht in einem Meer ein atemartiger Effekt.

Tatsächlich konnte ich in der yogischen Lehre wie in der vedischen Mystik kaum etwas Wesentliches zu Wasser finden. Energie wird durch Prana, den Atem, verteilt, über die Nadis. Blutkreislauf oder Körperflüssigkeiten spielen kaum eine Rolle. Lediglich im Ayurveda existieren die Doshas, die Konstitutionstypen Vata, Pitta und Kapha, die  ihrerseits über die fünf Elementen Äther, Luft, Feuer, Erde und eben Wasser definiert werden. Zudem gibt es dort die Malas, die Ausscheidungstypen, bei denen mit Mootra, Urin, und Sweta, Schweiß, ebenfalls Flüssigkeiten wichtig sind. Der Puls zudem stellt in der ayurvedischen Medizin mit das wichtigste Diagnoseinstrument dar.

Der mittelalterliche europäische Blick auf das Leben rückt das Wasser, und mit ihm die Körpersäfte, weit in den Vordergrund. „Vom lebendigen Quell springen nämlich die Wasser, die allen Schmutz abwaschen. Denn in jeglicher Kreatur, die sich regt, fließt leichtgleitendes Wasser, und auch für die reglosen Geschöpfe ist es der Feuerbringer jeglichen Grüns. Es fließt von der Wärme und von der feuchten Luft; denn hätte es keine Wärme, dann wäre es ja von der Kälte hart. Von der Wärme also fließt es, und von der Feuchtigkeit der Luft strömt es. Hätte es diese Luft nicht, könnte es nicht fließen. Von diesen drei Kräften, von der Wärme, der Feuchtigkeit und der Luft hat es seine Schnelligkeit, so dass ihm nichts widerstehen kann und es selbst alles übertrifft.“ (H.v.Bingen, 64). Entsprechend werden bei Hildegard von Bingen auch die meisten Krankheiten über mehr oder weniger faulige Körpersäfte erklärt. Wasser ist essentiell: „Als Gott den Menschen erschuf, wurde der Lehm durch Wasser zusammengeballt, woraus der Mensch gebildet wurde, und Gott sandte in diese Form den feurigen und luftigen Lebenshauch. Und weil die Gestalt des Menschen aus Lehm und Wasser war, so wurde durch das Feuer des Lebenshauches der Lehm zu Fleisch und durch die Luft des Lebenshauches das Wasser […] zu Blut. (H.v.Bingen, S. 73).

Weiterhin spielt Weihwasser in der katholisch-christlichen Tradition eine extrem wichtige Rolle.

In der modernen westlichen Medizin sind fernerhin natürlich Atem und Blutkreislauf als Sauerstofftransport eng miteinander verbunden.

Im Sinne einer übergreifenden, toleranten Betrachtungsweise und überhaupt im Hinblick auf den ganzheitlichen Ansatz der Daseinsgesundheit möchte ich diese Aspekte gerne mit integrieren. Und für mich wird die qualitative Reaktion von Wasser auf wertebehaftete Begriffe oder Handlungen in dem Moment glaubhaft, wo ich die Existenz eines übergeordneten, alles inkludierenden sowie form- und inhaltgebenden Bewusstseins akzeptiere. Brahman entspricht in vielerlei Hinsicht dem „Urfeld“ der Quantenphysik, wie es bei Werner Heisenberg genannt wird (vgl. „Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit“). Somit, ebenso wie in meiner eigenen „Fraktalen Unendlichkeit“, entsteht erst auf dieser Grundlage eine Lokalität, in der Raum und Zeit sich entwickeln können: ein Bewusstsein von Selbst, Purusha, bzw. schöpfend und Gestalt entwerfend: Atman.

Jedenfalls: durch das Atmen des Meeres, die Transformation zu Prana, entsteht endlich ein unmittelbarer Bezug zur yogischen Lehre, welche sich in der planetaren wie kosmischen Weiterentwicklung der Erzählung dann zunehmend manifestiert. Erst mit der Welt als Ganzem beginnt der eigentliche yogische Prozess. Das Wasser überschreitet seine ursprüngliche Gestalt. Das Lösen aus der bestehenden Form sowie das Öffnen nach Außen versinnbildlichen die Befreiung aus den „Anhaftungen“.

 Natürlich ist diese Fantasiereise auch als Entspannungsverfahren per se im yogischen Kontext zu betrachten. Sie folgt streng den im Skript auf S. 78 vorgegebenen Regeln. Und sie folgt in ihren Bildern der yogischen Erzählung. Angefangen mit den einander reflektierenden Tautropfen, die sich unmittelbar an das Motiv von Indras Netz anlehnen bis hin zur Transformation in das universale OM. Daneben wird die ursprüngliche Realität transzendiert: der lichtgefüllte Tautropfen am Ende befindet sich auf einer wesentlich höheren Daseinsebene als der am Beginn. Darin spiegelt sich der holistische Ansatz des vedischen Denkens ebenfalls klar wider.

Zusammenfassung

Einerseits haben wir hier eine als Entspannungsübung gedachte Fantasiereise, die etliche Merkmale und Ideen des yogischen Denkens transportiert, wie z. B. Ganzheitlichkeit, gegenseitige Durchdringung und Einheitlichkeit oder Transformation. Die daneben fernerhin Bilder aus der vedischen Mythologie verwendet.

Andererseits gehe ich von der Hypothese aus, dass Wasser, und damit auch die  in jedem Menschen enthaltenen 70% Körperwasser, auf Information von außen reagiert sowie diese als Botschaft speichert und weitervermittelt. Weiterhin glaube ich, dass zudem die Qualität dieses Wassers selbst durch Mitteilungen verbessert werden kann und somit die gesamte körperliche wie mentale Befindlichkeit.

Insgesamt betrachtet soll diese Wassermeditation dem körpereigenen Wasser wieder eine Geschichte und zusätzlich eine Perspektive, eine Vision geben. Auf diese Weise hilft sie, sowohl das unmittelbare Wohlbefinden zu erhöhen als auch eine yogische Lebenseinstellung zu verinnerlichen. Die normale Wirkung einer Tiefenentspannung wird deutlich verstärkt.

Na denn…

WASSERMEDITATION

Du liegst ganz still und ruhig. Deine Augen sind geschlossen. Die Gedanken ziehen vorbei wie die Wolken über dir am Himmel. Du hörst auf die Geräusche aus der Umgebung. Ohne sie voneinander zu trennen, eher wie ein symphonischer Gesamteindruck. Ohne irgendeines davon zu bewerten, nach seinem Sinn zu fragen. Murmeln, Rauschen, Summen… So rücken sie immer weiter in die Ferne. Ein positives einzelnes Wort dringt noch einmal durch, weil es gerade dein Thema berührt. Du hörst es klar vor deinem inneren Ohr. Ein Begriff, der dich bestärkt, der dir Kraft gibt, der ein Ziel für dich formuliert. Fasse ihn, nimm ihn auf.

Langsam sammelst du die Aufmerksamkeit in deinem Körper. Du spürst dein Gewicht auf dem Boden. Die Auflagefläche. Mittlerer Rücken. Gesäß. Hinterkopf. Waden. Fersen. Hände. Unterarme. Ellbogen. Schultern. Alles zugleich, wie es sich verteilt. Dein Gewicht aufnimmt und weitergibt an die Erde. Gemeinsam als Eines. Bleibe in dieser Wahrnehmung. Spüre hinein.

Fühle deine Füße. Die Zehen. Die Sohlen. Die Fußrücken. Die Fersen und die Knöchel. Spüre die Beine hinauf. Waden und Schienbeine. Knie. Oberschenkel. Gesäß und Hüften. Bauch, Brust. Rücken. Die Finger. Die Hände. Handgelenke. Unterarme. Ellbogen. Schultern. Die Schulterblätter. Spüre deinen Nacken, hoch bis zum Hinterkopf. Fühle deine Schlüsselbeine. Deinen Hals. Kinn. Die Wangen. Die Lippen. Die Nase. Die Augenbrauen. Die Schläfen. Die Ohren. Die Stirn. Die Kopfhaut. Lenke die Aufmerksamkeit nach innen, zu deinen Verdauungsorganen. Zur Lunge. Zu Deinem Herzen. Verweile kurz dort, lausche. Gehe weiter, zur Kehle, zum Rachen. Zur Zunge. Den Augen. Lass alles los. Spüre einfach das Sein. Deine Existenz. Lass auch die Gedanken los, weiterziehen wie lose Wölkchen am Himmel.

Du liegst auf einer grünen Wiese. An deinem Rücken fühlst du das weiche Gras, seine Struktur unter dir. Die hohen Grashalme um dich herum überragen dich. An ihnen hängen unzählige Tautropfen. In jedem einzelnen spiegeln sich alle anderen um ihn herum. Und in dieser Spiegelung wiederum jeder Tautropfen sich selbst, wie er alle anderen spiegelt. Ein Blick ins Unendliche. In der Brise schwanken die Halme, und so ändern sich die Blickwinkel der Tropfen. Die Tiefe bleibt bestehen. Du erkennst Dich in den Spiegelungen selbst ebenfalls als einzelnen Wassertropfen. Du bist ein Wassertropfen. Alle anderen Tropfen finden sich als Bild in dir wieder. Du dich in allen anderen. Mitsamt dem Gras. Mit der Welt um dich herum. Mit dem Himmel über dir. Mit der Sonne darüber. Deren Strahlen fallen in die Tropfen, auch in dich. Ihr sammelt sie, ihr reflektiert sie, werft sie in alle Richtungen weiter. Ein Funkeln, ein Leuchten, ein Gleißen, das ihr alle gemeinsam erzeugt. Energie, die euch kreuz und quer durchdringt. Und ihr spiegelt euch gegenseitig, in eurem Leuchten, dem hin- und her blinkenden diffusen Flirren.

Du merkst, wie das Licht, die Energie dich allmählich erwärmt. Du dehnst dich dadurch etwas aus. Deine äußeren Grenzen werden weich, irgendwie durchlässiger, in alle Richtungen. Du empfindest Leichtigkeit. Immer leichter wirst du, immer offener nach außen hin. Deine klaren Umrisse verschwinden. Alles in dir strebt zum Licht hin. Nach oben. Nun lässt du los. Du schwebst. Keinerlei Kraft scheint mehr auf dich zu wirken. Keine Begrenzung. Ganz geruhsam beginnst du aufzusteigen. Dich über die Wiese zu erheben. Du siehst das ausgedehnte Grün. Überstreut mit dem Funkeln unzähliger weiterer Tautropfen. Je höher du gelangst, desto mehr verbinden sich die einzelnen Punkte zu einem gesamten Glänzen, dem Widerschein der Sonne. Das Licht über dir. Um dich herum nur noch Bläue, leicht durchsetzt mit dem schimmrigen Nebel deiner Artgenossen. Gemeinsam steigt ihr höher und höher. Leicht. Luftig. Schwerelos. Du erkennst Landschaft. Weiden mit winzigen Tieren darauf. Hügel, Wälder. Den umlaufenden Horizont. Du bist Weite und Leichtigkeit. Das Licht, die Energie der Sonne, spiegelt fortwährend zwischen Dir und den Anderen hin und her. Die Strahlen lasst ihr gar nicht los, werft sie untereinander herum. So verbinden sie euch zu einer fluffigen, weißen Masse. In loser Form driftet ihr dahin. Schwebt den Himmel entlang als Wölkchen. Lasst die Gefilde vorüberziehen.

Immer mehr eurer Art kommen dazu. Ihr rückt enger zusammen. Spürt eure Nähe. Das Sonnenlicht werft ihr nun nur noch zurück. Unter euch wird es dunkel. Ihr reibt euch aneinander. Erzeugt dadurch eine eigene Energie. Eine ungeheure Spannung läd sich auf. Sie ballt sich als eigenes Kraftfeld zwischen euch zusammen. Verbindet euch zu einer Einheit. Ihr seid ein einziges Kraftfeld. Ihr könnt euch kaum mehr kontrollieren. Ihr haltet, ihr zittert vor Anstrengung, ihr bebt, schwellt in eurer gemeinsamen, einigen Kraft. Dann ein Ziel – lasst ihr einen Blitz mit Getöse hinabschießen. Löst euch etwas.

Du entspannst dich, sammelst dich in dir. Findest dadurch zu einem neuen Gewicht, zu Masse. Spürst plötzlich die Schwerkraft. Und lässt dich fallen. Du stürzt hinunter. Der Widerstand der Luft drängt dich in eine klare Form. Schneller und schneller rast du abwärts dem Boden entgegen. Prallst auf etwas grünes, nachgiebiges. Platzt dadurch auseinander. Ein weiteres Blatt, noch eines. Dann liegst du wieder zwischen Grashalmen. Weit aufgefächert. Sammelst dich mit Weiteren zu einer durchgehenden Menge. Ihr verteilt und verbindet euch, erzeugt eine steigende Oberfläche. Zugleich spürst du für dich nach unten, zum Boden hin. Findest eine Pore, einen feinen Zwischenraum in der Erde. Drängst dich hinein, mit anderen, zu denen du die Verbindung hältst. Es ist dunkel, du folgst der Schwerkraft, sickerst tiefer. Streifst eine Baumwurzel, aber widerstehst ihrem Sog. Streichst an Steinen vorbei, durch Humus. Gibst alles Schädliche ab. Entlädst ungünstige Energien. Verlierst negative Anhaftungen. Klärst dich, reinigst dich. Nimmst winzige Moleküle, lose Mineralien in dir auf, Spurenelemente, integrierst sie. Dann gerätst du an eine Schicht, die dich nicht weiter hinab lässt. Seitlich geht es voran. Du folgst den Anderen, gibst dem Druck der Hinterherkommenden nach. Presst dich durch Lücken und Ritzen. Gemächlich, ohne Richtung. Bist einfach mit allen Anderen in Bewegung, gibst den ständigen Veränderungen des leichten Druckes nach. Träufelst, rieselst…

Mit einem Mal beschleunigt sich eure Bewegung. Ihr verwirbelt euch, springt durcheinander. Es wird licht, hell, ihr sprudelt ins Gleißen, in den Sonnenschein, in ein funkelndes Becken zwischen Steinen, umgeben von hohen Bäumen. Alle tanzt ihr durcheinander, verquickt euch, reibt euch aneinander, schließt Luftbläschen ein und gebt sie wieder frei. Ihr kreiselt und strudelt. Auf einmal geratet ihr wieder in eine Drift, die sich beschleunigt. Ein Bachbett findet sich, in dem ihr dahin rinnt. Hin- und hergelenkt von Steinen und Wurzelstrünken, felsigen Rändern, Erde. Immer wieder werdet ihr vor- oder zurückgetrieben. Springt einzeln aus eurer Masse, dem Wasser, lasst euch zurückfallen und weiterreißen. Stürzt über Stufen. Werdet immer mehr, kommt dichter zusammen, die wechselnden Kräfte zwischen euch werden intensiver. Eine Kante schleudert euch in die Luft, ihr lasst einander los, gischtet auseinander leicht und einzeln für einen kurzen Moment, folgt wieder rein der Schwerkraft, formt euch erneut klar. Prallt abrupt als Masse zusammen, vermengt euch und kommt in eine weitere Drift. Ein Her und Hin, ein Kreuz und Quer. Die Kräfte zwischen euch nehmen zu, entwickeln sich allmählich zu mehr Gleichmäßigkeit. Ihr kommt zunehmend zu mehr Flut, zu höherer Dichte und eindeutiger Richtung, nur in weitläufigen Biegungen abgelenkt. Strömt voran als ausgedehnter Fluss. Gemächlich unter der Sonne, durchwärmt. Regenschauer bringen euch Gesellschaft von oben.

Salzmoleküle tauchen auf, werden euch entgegengetragen, mischen sich zwischen euch. Und dann ergießt ihr euch ins Meer. Der Sog, der Schub lassen nach. Neue Kräfte verbinden euch zu gemeinsamem Auf und Ab, zu Kreisen und Wiegen, zu ausgedehnten Strömungen. Ihr vereint euch zu einer einzigen, umfassenden Masse. Du bewegst dich als Großes. Spüre, wie groß du nun bist. Deine Ausdehnung. Du bist das Meer. Du bist der Ozean.

Du brandest an Strände. Du streckst dich aus in ungeheure Weiten. Du umfängst die Welt rundum. Die Flüsse sind deine Finger, mit denen du auch das Land ergreifst. Bis hoch in die Gebirge nimmst du den gesamten Globus ein. Und du dringst tief ins Innere vor. Durch Poren und Ritzen, durch Spalten, Löcher, Höhlen, durch den Sand auf dem Meeresgrund und das Erdreich an der Flussböschung. Du bist das Wasser. Du bist überall auf diesem Planeten. Wie in Adern und Kapillaren. Du wirst aufgesaugt von den Pflanzen und getrunken von den Tieren. Du bist in jedem Lebewesen. Du bist die vitale Substanz. Du bist die Essenz, das Leben. Du bist die Weltenkugel.

Und du atmest. Du spürst die Kraft des Mondes. Sie hebt dich an und senkt dich wieder ab. Gleichmäßig. So bist du auch Prana, der Atem der Welt. Zwei Züge ein und wieder aus in einem Sonnendurchlauf, in einer Umdrehung. Die Sonne spürst du ebenso, und du atmest kräftiger, wenn sie dich unterstützt, schwächer, wenn sie entgegensteht. Zu dritt seid ihr ein Kräftesystem, Erde, Sonne, Mond, mit einem leicht kreiselnden gemeinsamen Schwerpunkt. Überall in dir wirkt das Pendeln dieses Pols. In jedem einzelnen Wesen, im Zusammenspiel der Organe, in ihrer Funktionsausübung.

Weitere regelmäßig wirkende Kräfte nimmst du nun wahr. Die Gravitation von Merkur und Venus, immer eher zur Sonne hin. Von Mars, Jupiter und Saturn vorwiegend in die entgegengesetzte Richtung. Spüre dies, nimm es an, du bist auch dieses gemeinsame System. Du schwingst in diesem Kräfteverbund. Ein komplexes Oszillieren. Es geht ein Wechselspiel ein. Du fühlst, dass dich noch mehr berührt. Dass noch mehr sich mit dir verbinden möchte. Zusätzliche Kräfte fernerer Sternesysteme wirken. Du bist eine vibrierende Galaxie. Rotierst zwischen weiteren. Gemeinsam seid ihr ein einziger Zusammenschluss. Eine Einheit. Die Milchstraße. Du bist die Milchstraße. Ein Strang, der das gesamte All durchzieht. Eine vielfältig und komplex schwingende Saite im Universum. Spüre, sei diese Schwingung. Und du erzeugst den kosmischen Klang. Du bist dieser Ton. Du bist der Urklang des Universums. Du bist das allumfassende AUM.   AUM.   AUM.

„AUM steht für die höchste Wirklichkeit. Es ist ein Symbol für das, was war, was ist und was sein wird. AUM symbolisiert außerdem, was jenseits von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt.“ (Upanishaden, S. 85) „Das Mantra AUM steht für den höchsten Zustand Turiya, teilelos, jenseits von Geburt und Tod, Symbol immerwährender Freude. Jene, die AUM als das Selbst erkennen, werden das Selbst; wahrlich werden sie das Selbst.“ (Upanishaden, S. 86f).

Ein Ton. Eine Schwingung. Reine dynamische Energie. Du bist blanke Energie. Du bist das Sein als solches. Schiere Positivität. Pure Bejahung des Gesamten. Reine Liebe. Licht. Klares Licht, das überall leuchtet. Licht, das sich endlos verbreitet und ausdehnt. Licht, das alles ausfüllt. Fühle diese Fülle, diese Ausdehnung. Diese Ganzheit. Sei dieses Licht, das reflektiert, das hin- und hergeworfen wird. Licht, das sich sammelt und konzentriert in dir, in einem kleinen Gebilde und dies zum Flirren bringt. Fast nur ein Punkt. Ein Tautropfen im Gras. Gleißend. Du bist dieser Tautropfen. Ausgefüllt von der kosmischen Energie, leuchtend vom Licht der Unendlichkeit, von der reinen Liebe. Nimm es wahr, dieses Strahlen aus dir heraus. Bleibe darin.

   –   –   –   

Schlage dein inneres Auge wieder auf. Nimm das Gras um dich herum wahr, die Wiese, auf der du liegst, den Sonnenschein, der dich erhellt und wärmt. Die Geräusche im Hintergrund. Dein Wort, dein Thema von vorhin klingt noch einmal daraus hervor. Du wiederholst es für dich. Realisiere die Stärke, die Kraft, die du empfängst.

   –   –   –

Spüre die Erde unter dir, die dich hält, die Berührpunkte. Kehre langsam zurück in deinen Körper, in dein Gewicht. Du bestehst zu 70 Prozent aus Wasser, du bist aus Wasser, du bist ein Tautropfen. Nimm dieses an als die Energie, die es ist, als Vitalität. Als deine Gegenwart.

Bewege die Füße, die Finger. Kreise mit Knöcheln und Handgelenken. Bewege die Beine, die Arme, die Wirbelsäule. 

   –   –   –

Schlage die Augen wieder auf.

Karsten Miesala

Quellenverzeichnis

Capra, Fritjof: Das Tao der Physik; O. W. Barth Verlag 2012

Dürr, Hans-Peter: Geist, Kosmos und Physik; Crotona Verlag 2016

Easwaran, Eknath: Die Upanishaden; Goldmann Verlag 2008

Emoto, Masaru: Die Botschaft des Wassers; Koha Verlag 2021

Inner Flow Yogalehrer Ausbildung: Skript 

Kröplin, Bernd u. Henschel, Regine C.: Die Geheimnisse des Wassers; AT Verlag 2019

Pollack, Gerald H.: Wasser – viel mehr als H2O; VAK Verlag 2021

v. Bingen, Hildegard: Wisse die Wege; Insel Verlag 2008

Innere Welten, Äußere Welten: https://www.youtube.com/watch?v=U9oewKWUUd8 ; zuletzt abgerufen 17.4.22

Lee, Bruce: https://www.youtube.com/watch?v=cJMwBwFj5nQ ; zuletzt abgerufen 9.9.22

Water – Die geheime Macht des Wassers: https://youtu.be/4nYDYxXy0-U ; zuletzt abgerufen 4.9.22

Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit: https://www.youtube.com/watch?v=MbV4wjkYtYc ; zuletzt abgerufen 21.9.22

Yoga Vidya: https://www.yoga-vidya.de/ayurveda/leben-nach-ayurveda/gesundheit-und-krankheit-aus-ayurvedischer-sicht/ ; zuletzt abgerufen 12.9.22

Bilder eigene Bearbeitung

Anhang

Audiodatei „Wassermeditation.mp3“

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Wo: Online per Zoom.
Wann: Donnerstag, 19.01.23, 20 Uhr