Therapeutisches Fliegen

Autor*in:Lisa Neumann, IFY Teacher Training Hamburg 2021
Kommentar:Alle abgebildeten Abschluss- und Hausarbeiten im Spiritainment sind, wie auch diese, im Rahmen von Inner Flow Ausbildungen entstanden. Sie sind weiter geistiges Eigentum der Autor*innen und werden mit deren freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht.

Flugmodus an – Kopf aus

Expose

Das Therapeutische Fliegen vereint die Vorteile des traditionellen Yogas, der Akrobatik und der Thai Yoga Massage. Dabei wird die Schwerkraft genutzt, um den gesamten Körper hängen zu lassen und zu entspannen. Das Vertrauen in sich selbst und andere spielt beim Therapeutischen Fliegen eine wesentliche Rolle. Dadurch wird nicht nur die physische, sondern auch die energetische und emotionale Ebene angesprochen und harmonisiert.

Einleitung

„Trau Dich Deine Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und Dein inneres Kind spielen und fliegen zu lassen.“

(Adu-Sanyah, www.unit-yoga.de)

Wusstest du, dass Yoga dich zum Fliegen bringen kann?

AcroYoga – eine Mischung aus Akrobatik, Thai Yoga Massage und Yoga – macht dies möglich. Der Unterschied zu anderen Yogastilen liegt darin, dass man im Team zusammenarbeitet. Während bei traditionellen Yogastilen, wie beispielsweise dem Hatha Yoga, die Übungen selbstständig ausgeführt werden, wird beim AcroYoga in der Regel zu dritt in einem Team gearbeitet, welches aus einer „Base“, einem „Flieger“ und einem „Spotter“ besteht. (vgl. Unbekannt, www.evidero.de) „Zusammen meistert ihr akrobatische Kunststücke, Massagen und Entspannungsübungen (Unbekannt, www.evidero.de).“ Dadurch wird nicht nur das eigene Körpergefühl verbessert, sondern auch die Fähigkeiten dir selbst und anderen zu Vertrauen und mit anderen zusammen zu arbeiten gestärkt (vgl. Unbekannt, www.evidero.de).

2017 habe ich durch meinen damaligen Yoga-Lehrer AcroYoga und in dem Zusammenhang auch Therapeutisches Fliegen kennen und lieben gelernt. Er hat gefragt, ob ich Lust hätte, Yoga aus einem anderen Blickwinkel kennen zu lernen. Ich sagte ja und schon drehte er mich, meine Yogakenntnisse und mein ganzes Leben wortwörtlich auf den Kopf.

Abbildung 1: 2017 – Das erste Mal Therapeutisches Fliegen (Eigene Darstellung)

Früher habe ich vermieden, Dinge kopfüber zu tun – wie beispielsweise den Kopfstand. Dies kommt daher, dass ich als Kind eine Verletzung am Kopf hatte und jeder Versuch im Sportunterricht, ein Rad oder einen Kopf-/Handstand zu schaffen sind kläglich gescheitert. Ich habe das Vertrauen in mich verloren und gleichzeitig eine große Angst entwickelt.

Seit dem Moment, wo ich das erste Mal geflogen bin, hat sich vieles verändert. Ich behaupte, dass ich durch AcroYoga und das Therapeutische Fliegen mehr Vertrauen in mich selbst und andere gewonnen habe.

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich herausfinden, welche Vorteile das Therapeutische Fliegen sowohl psychisch als auch physisch hat, um meine Behauptung zu belegen. Dafür werde ich zuerst auf den Grundgedanken von AcroYoga eingehen, den Teil des Therapeutischen Fliegens detaillierter beschreiben und die Parallelen zur Thai Yoga Massage aufzeigen. Daraufhin werde ich die Vorteile benennen und einfache Übungen zum Nachmachen beschreiben.

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

Hauptteil

T. Krishnamacharya, welcher als Vater des modernen Yogas gilt, hat 1938 mit dem „flying children“ den ersten Grundstein für das moderne AcroYoga gelegt. Das Therapeutische Fliegen wurde erstmals 1985 unter den Begriff Acrosage von Benjamin Marantz praktiziert. Seither hat sich der Partner-Yogastil weiterentwickelt und ist keiner bestimmten Person oder Schule zuzuordnen. (vgl. AcroYoga.org, S. 1)

Grundgedanke des AcroYoga

Der Grundgedanke des AcroYoga liegt darin, Individuen in einen Zustand der Einheit mit sich selbst, miteinander und mit der Gemeinschaft zu bringen. Von dem geschaffenen Raum gegenseitiger Unterstützung kann das wahre Selbst erkannt, gefeiert und geteilt werden, zum Wohle aller. (vgl. AcroYoga.org, S. 2)

AcroYoga basiert auf gemeinschaftlichen Übungen, welche die persönliche und gemeinschaftliche Entwicklung fördern. AcroYoga lädt dazu ein, das gesamte Spektrum des Seins zu erfahren durch: geben und nehmen, unterstützen und unterstützt werden, Kraft und Empfindlichkeit. Dieser Yogastil ist ein systematischer Ansatz für Gesundheit und Heilung, welcher für Jede*n zugänglich ist. Wir lernen, auf die Signale unseres Körpers zu achten, um entsprechende Entscheidungen zu treffen, welche unsere Gesundheit und Zufriedenheit unterstützen. (vgl. AcroYoga.org, S. 2f.)

AcroYoga fordert uns dazu auf, neue Dinge auszuprobieren, zu reflektieren und an den Erfahrungen zu wachsen. Diese Entwicklung wird durch den Austausch mit der Gemeinschaft stark gefördert. Dabei spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle: Wörter, Gesichtsausdrücke, Berührungen und Atem werden wahrgenommen und ausgetauscht, um eine sichere und vertraute Umgebung zum Praktizieren zu schaffen. (vgl. AcroYoga.org, S. 3f.)

“Know thy self, support others, enjoy community.”

(AcroYoga.org, S. 3)

[Deutsche Übersetzung: Kenne dein Selbst, unterstütze andere, genieße Gemeinschaft.]

Grundlagen des AcroYoga

Wie schon in der Einleitung beschrieben, gibt es drei wesentliche Rollen im AcroYoga: (1) Die Base, (2) den Flieger und (3) den Spotter. Die Base ist die untere Person, welche in den meisten Haltungen am Boden liegt. (vgl. Unbekannt, www.evidero.de) Sie sorgt für Sicherheit und Stabilität des Fliegers und wird daher auch als „Geber“ bezeichnet. (vgl. AcroYoga.org, S. 14; vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com) Der Flieger ist die Person, welche auf den Füßen oder Händen der Base getragen wird – auch Empfänger genannt (vgl. Unbekannt, www.evidero.de; vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com). Der Spotter steht als Schutzengel zur Seite und greift ein, falls es bei den Haltungen zum Wackeln kommt und um Fehlhaltungen zu korrigieren. Es wird empfohlen, die Positionen regemäßig zu wechseln, um einen dynamischen Kreislauf des Gebens und Nehmens zu schaffen. (vgl. Unbekannt, www.evidero.de)

In Indien gibt es eine Geschichte, welche die drei Rollen widerspiegeln. In Kürze zusammengefasst wurde Sita entführt und Ram, ihr Mann, war am Boden zerstört. Hanuman kam Ram zur Hilfe, um die beiden wieder zusammenzubringen. Sita steht in diesem Fall für den Flieger – repräsentativ für die weibliche, empfangende Person. Ram steht im Gegensatz dazu für die männliche, kräftige Base und Hanuman für den unterstützenden Spotter. (vgl. AcroYoga.org, S. 14)

Unterteilung

AcroYoga wird unterteilt in einen solaren (=aktiven) und einen lunaren (=therapeutischen) Part. Dabei verkörpert der aktive, akrobatische Teil, das Yang-Prinzip (Aktivität und Beweglichkeit) während der lunare Teil für das Yin-Prinzip (Weichheit und Ruhe) steht. (vgl. Adu-Sanyah, www.unit-yoga.de) Solar und Lunar stehen auch für die Elemente Sonne (Solar) und Mond (Lunar). Im echten Universum sind beide Himmelskörper Teil eines ganzheitlichen Ansatzes. Genauso ist es im AcroYoga: Das Gegenspiel von Statik und Dynamik, Kraft und Loslassen, Entspannung und Konzentration. (vgl. Eichhammer, www.web.de)

Yoga selbst ist das Bindeglied zwischen dem solaren und lunaren Teil. Durch Pranayama-Atemtechniken und Achtsamkeit wird Einklang zwischen Körper und Geist geschaffen. Diese Techniken aus dem traditionellen Yoga fördern die körperliche und geistige Verbindung zwischen Base, Flieger und Spotter. (vgl. Luvyio, www.luvyio.com)

Der lunare Part teilt sich auf in Thai Yoga Massage und das Therapeutische Fliegen. Das Therapeutisches Fliegen ist durch die Partnerarbeit aktiver als die Thai Yoga Massage. (vgl. Nguyen, www.youtube.com) Der Flieger wird durch die Base in Körperhaltungen gebracht, welche den Asanas im Hatha Yoga gleichen (vgl. Luvyio, www.luvyio.com). Sanfte Dehnungen, Twists und Massagen erlauben dem Flieger, sich vollkommen zu entspannen und loszulassen (vgl. Steinbach, www.mylife.de). Der Flieger kann die Schwerkraft auf sich wirken lassen, während die Base sich um den Flieger „kümmert“ (vgl. AcroYoga.org, S. 26). Indem die Base mit dem Flieger kommuniziert und sich in den Flieger hineinspürt, kann sie beim Flieger Vertrauen schaffen und Entspannung transportieren, damit dieser seine Augen schließt und ganz im Erfahren des Moments aufgeht (vgl. Unbekannt, www.evidero.de; vgl. Yoga Vidya, wiki.yoga-vidya.de).

„In dieser ruhigen und langsamen Form des Fliegens können vor allem die Qualitäten der Entspannung, des Loslassens und des Vertrauens erfahren werden. Die Aufgabe des „Flyer“ ist tief atmen und vertrauen: „Breathe & trust!“

(Yoga Vidya, wiki.yoga-vidya.de)

Parallelen zur Thai Yoga Massage

Auf Thailändisch heißt die Thai Yoga Massage Nuad Phaen Boran, was für uralte, heilsame Berührung steht (vgl. Svaha, blog.yoga-vidya.de).

In der Thai Yoga Massage ist das Ziel, den Fluss der Lebensenergie – das Prana – in den Energiebahnen – den Nadis – durch Druck und passive Drehungen frei fließen zu lassen. Dieser Fluss kann durch Verspannungen o.ä. unterbrochen und dadurch im Ungleichgewicht sein. (vgl. Smith, S. 14)

Der Geber nutzt in der Thai Yoga Massage nicht nur seine Hände, sondern seinen gesamten Körper. Dadurch erfahren sowohl der Empfänger als auch der Geber während der Anwendung mehr über den eigenen und den anderen Körper. Es entsteht wie beim Therapeutischen Fliegen ein Tanz zwischen Geber und Empfänger. (vgl. Smith, S. 32)

Die Kommunikation zwischen Geber und Empfänger ist wichtig, um die Empfindlichkeiten, wie sich der Druck und die Dehnung anfühlen, abzufragen und Feedback zu erhalten (vgl. Smith, S. 36).

Die Vorteile der Thai Yoga Massage liegen darin, dass durch den Druck und die sanften Dehnungen

  • die Durchblutung gefördert
  • die Muskulatur gestärkt
  • das Bindegewebe massiert
  • die Wirbelkörper entlastet
  • der Blutfluss harmonisiert
  • der Lymphfluss aktiviert

werden (vgl. Svaha, blog.yoga-vidya.de).

Somit werden der physikalische, energetische und emotionale Körper – oder auch Annamaya Kosha (Nahrungshülle), Pranamaya Kosha (Energiehülle) und Manomaya Kosha (geistig-emotionale Hülle) genannt – des Empfängers harmonisiert (vgl. Smith, S. 8).

Vorteile

Das Therapeutische Fliegen beruht auf den Erkenntnissen der Thai Yoga Massage (vgl. Steinbach, www.mylife.de). „Diese aus der Technik der Thai-Massage abgeleitete Praktik bezieht den ganzen Körper mit ein und löst so Verspannungen, zum Beispiel in der Wirbelsäule (Unbekannt, www.evidero.de).“ Da es viele Parallelen zwischen der Thai Yoga Massage und dem Therapeutischen Fliegen gibt, ähneln sich auch die Vorteile.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass der Empfänger in der Luft schwebt und daher die Schwerkraft genutzt werden kann. Durch die Schwerkraft entsteht unter anderem mehr Raum, wodurch der Atem freier fließen kann. (vgl. Steinbach, www.mylife.de) Ein weiterer Vorteil der Gravitation ist, dass die Wirbelsäule in die Länge gezogen wird und sich daher muskuläre Verspannungen in der Wirbelsäule besser lösen lassen (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com).

Beim Therapeutischen Fliegen wird die Kommunikation gefördert, indem sich insbesondere Base und Flieger, aber auch der Spotter, aktiv austauschen. Dabei tauschen sie nicht nur Worte aus, sondern erfahren den Atem, die Spannung im Körper, die Nervosität, das Vertrauen durch den gesamten physischen Körper. Die Base kann durch die intensive Kommunikation auf die individuellen Bedürfnisse des Fliegers eingehen. (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)

Beim Therapeutischen Fliegen kann in allen Rollen ein Verständnis für den Fluss der Lebensenergie im eigenen Körper und im Körper der anderen gebildet werden. Das Körperbewusstsein für sich selbst und andere wird durch Atem, Schwerkraft, Bewegung, Berührung, Emotionen und Gedanken verbessert. (vgl. AcroYoga.org, S. 26)

Das Therapeutische Fliegen bietet somit die Möglichkeit, achtsam zuzuhören und auf die Bedürfnisse des Partners einzugehen (vgl. Luvyio, www.luvyio.com). Wenn es dem Flieger gelingt, komplett zu vertrauen und loszulassen, können Verspannungen im Rücken, in den Schultern und Nacken gelöst werden (vgl. Yoga Vidya, wiki.yoga-vidya.de; vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com). Auch für die Base kann dies eine entspannende und vertrauensfördernde Technik sein. Die Stärkung der Beine, der Bauchmuskeln, der Arme und Schultern kann das Selbstverstrauen stärken. Gleichzeitig wird die Beinrückseite – die Hamstrings – gedehnt. (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)

Je mehr Base und Flieger in Einklang mit dem Atem und Bewegungen kommen, desto mehr können beide lernen loslassen und in der Haltung entspannen. An diesem Punkt angelangt werden nicht nur physische Anspannung, sondern auch psychische Anspannung und Ängste gelöst. (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com) In der Länge und Tiefe des Innehaltens werden die Qualitäten des Loslassens, Vertrauens und Entspannens am meisten übertragen (vgl. Unbekannt, www.evidero.de).

Nach einer Einheit Therapeutischen Fliegen fühlen sich die meisten Menschen entspannt und glücklich (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com).

Anbei sind nochmal alle Vorteile zusammengefasst:

  • Rückenschmerzen werden gelöst (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)
  • Gelenkschmerzen werden gelöst (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)
  • Nackenschmerzen werden gelöst (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)
  • Stress wird gelöst (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)
  • Körperbewusstsein für sich selbst und andere wird gefördert (vgl. Abookire, www.bouldertherapeutics.com)
  • Gleichgewichtssinn wird geschult (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Muskulatur wird gestärkt (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Beweglichkeit wird gefördert (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Vertrauen in sich selbst und andere wird gestärkt (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Verantwortungsbewusstsein wird gestärkt (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Entspannung/ Die Fähigkeit, sich komplett gehen lassen, wird gestärkt (vgl. Gotzler, www.flowgrade.de)
  • Eine offene Kommunikation wird gefördert (vgl. Luvyio, www.luvyio.com)
  • Neue Freundschaften werden geknüpft (vgl. Nguyen, www.youtube.com)
  • Man wird physisch und psychisch ausbalanciert (vgl. AcroYoga.org, S. 32)

“Become more balanced, open, kind, present, connected & healthy.”

(AcroYoga.org, S. 20)

Übungen

Anbei sind einfache Übungen zum Nachmachen beschreiben.

Folded Leaf

Abbildung 2: Folded Leaf (Eigene Darstellung)

Der Flieger stellt sich mit Blick Richtung Körper der Base an die Hüfte der Base, sodass die Base die Fußspitzen des Fliegers mit den Fingern berühren kann. Die Base stellt ihre Füße nach außen gedreht unterhalb der Hüftknochen am oberen Teil des Oberschenkels des Fliegers auf (siehe Abbildung 3). (vgl. AcroYoga.org, S. 6) Der Flieger lehnt sich vorsichtig nach vorne, sodass die Base die Schultern des Fliegers umfassen kann. Der Flieger spreizt die Beine und flext die Füße, sodass die Zehen Richtung Boden ziehen, während er das gesamte Gewicht behutsam nach vorne verlagert. Die Base streckt gleichzeitig die Beine senkrecht zum Boden durch, bis der Oberkörper des Fliegers mit der Schwerkraft Richtung Boden hängt. Die Base kann dann die Arme des Fliegers entspannt am Boden ablegen (siehe Abbildung 2). (vgl. AcroYoga.org, S. 41) Verweilt in dieser Haltung für drei Minuten.

Abbildung 3: Fuß-Placement für: Folded Leaf, Lifted Baddhakonasana, Hippy Twist, Super Yogi, Reverse Namaskar und „Svapnasana“ (Eigene Darstellung)

Lifted Baddhakonasana und Hippy Twist

Abbildung 4: Hippy Twist (Eigene Darstellung)

Bei Lifted Baddhakonasana werden von dem Folded Leaf ausgehend die Arme des Fliegenden durch die Base hinter dem Rücken des Fliegers verschränkt, sodass der Flieger seine Ellenbogen greifen kann. Anschließend setzt die Base die Hände an die Schultern des Fliegers und hebt diese hoch, sodass die Arme der Base senkrecht zum Boden sind. Anschließend führt der Flieger die Füße zusammen und bildet mit den Beinen eine Raute. (vgl. AcroYoga.org, S. 41)

Um das Ganze zu intensivieren, kann die Base ein Bein senken, sodass sich die Hüfte des Fliegers auf der Seite senkt, und gleichzeitig den entgegengesetzten Arm senken, sodass sich die Schulter des Fliegers auf der Seite senkt. Durch diese Bewegung kann im Hippy Twist die Wirbelsäule des Fliegers gedreht und mobilisiert werden (siehe Abbildung 4). (vgl. AcroYoga.org, S. 44) Wiederholt diese Bewegung auch auf der anderen Seite.

Super Yogi

Abbildung 5: Super Yogi (Eigene Darstellung)

Aus dem Folded Leaf heraus kann die Base die Hände des Fliegers über den Kopf des Fliegers zusammenführen, die Ellenbogen des Fliegers greifen und nach oben in den Super Yogi drücken. Für eine Dehnung der Wirbelsäule des Fliegers kann die Base die Arme weiter nach vorne und die Füße weiter nach hinten ziehen (siehe Abbildung 5). (vgl. AcroYoga.org, S. 42) Verweilt in dieser Haltung für drei Minuten.

Reverse Namaskar und „Svapnasana“

Abbildung 6: „Svapnasana“ (Eigene Darstellung)

Ausgehend vom Super Yogi kann der Flieger seine geschlossenen Hände langsam und bedacht hinter den Kopf führen, um in Reverse Namaskar zu kommen. Die Ellenbogen werden dabei geschlossen. Die Füße werden wie in Lifted Baddhakonasana und dem Hippy Twist zusammengeführt (siehe Abbildung 4). (vgl. AcroYoga.org, S. 41)

Die Flieger, die eine stärkere Rückwärtsbeuge möchten, können, bevor sie die Ellenbogen anwinkeln, den Kopf anheben und das Kinn auf den geschlossenen Händen ablegen (siehe Abbildung 6). Ich nenne diese Haltung „Svapnasana“ – die Traumhaltung. Verweilt in dieser Haltung für drei Minuten.

Absetzen

Aus den bisher gezeigten Übungen kann die Base den Flieger wieder behutsam absetzen, indem das Folded Leaf eingenommen und dann vorsichtig die Beine der Base gebeugt werden. Der Flieger „landet“ dann automatisch in der Stellung des Kindes, wobei die Schienbeine der Base zwischen Oberschenkel und Oberkörper des Fliegers „eingeklemmt“ werden. Der leichte Druck des Fliegers erdet den Rücken und insbesondere das Becken der Base.

Die aufgeführten Haltungen ergeben gemeinsam eine schöne Beginner-Sequenz:

  • Folded Leaf
  • Lifted Baddhakonsasana
  • Hippy Twist
  • Folded Leaf
  • Super Yogi
  • Folded Leaf
  • Reverse Namaskar
  • Svapnasana
  • Kinderstellung

High Flying Whale

Abbildung 7: High Flying Whale (Eigene Darstellung)

In dieser Übung stellt sich der Flieger mit den Füßen links und rechts vom Kopf der Base und steht mit dem Rücken zum Körper der Base. Dann zieht die Base die Beine angewinkelt nach vorne Richtung Kopf. (vgl. Manthei, www.fitforfun.de) Die Base platziert die Füße am oberen Rücken parallel zur Wirbelsäule des Fliegers. Die Schulterblätter des Fliegers liegen auf den Fersen der Base und die Taille auf den Zehen. Wenn sich dies für Base und Flieger angenehm und sicher anfühlt, umgreift die Base die Fußgelenke des Fliegers und streckt die eigenen Beine senkrecht nach oben. Im Anschluss hebt die Base die Füße des Fliegers vom Boden ab, wobei die Arme der Base nicht im 90 Grad Winkel zum Boden sein müssen. Der Flieger streckt die Arme über den Kopf und dehnt die gesamte Körpervorderseite (siehe Abbildung 7). (vgl. AcroYoga.org, S. 55) Verweilt in dieser Haltung für drei Minuten.

Thai Yoga Massage als Teil des Therapeutischen Fliegens

Im AcroYoga bildet die Thai Yoga Massage den Abschluss der gemeinsamen Praxis (vgl. Center of Gravity, www.center-of-gravity.de). Je nach Fähigkeiten der Base, wird der Flieger nach 3-15 Minuten wieder abgesetzt. Anschließend bekommt die Base vom Flieger eine kleine Thai Yoga Massage, um die Beine und den unteren Rücken zu lockern. Insbesondere die Beine der Base wurden während der Einheit aufgewärmt und können jetzt sanft gedehnt, gedreht und massiert werden. (vgl. AcroYoga.org, S. 32)

Einfache Thai Yoga Massage Übungen nach einer Einheit Therapeutischem Fliegen könnten sein:

(1) Der Flieger kann mit seinen Handballen die Füße und Beine der Base massieren – auch palming genannt. (vgl. AcroYoga.org, S. 33)

(2) Der Flieger kann die Füße und Beine der Base vom Boden abheben dabei entweder die Beine von links nach rechts geschwungen werden oder die Beine zum Kopf geschoben und wieder zurückgezogen werden. (vgl. AcroYoga.org, S. 34)

Im Anschluss an die Thai Yoga Massage tauschen Base, Flieger und Spotter ihre Rollen. Sobald jeder gegeben und empfangen hat, haben alle eine Ganzkörper-Behandlung erhalten. (vgl. AcroYoga.org, S. 32)

Schlussteil

Diese Arbeit hat ergeben, dass meine Behauptung, dass das Therapeutische Fliegen mehr Vertrauen in sich selbst und andere stärkt, richtig war.

Ein wesentlicher Faktor dabei ist die offene Kommunikation. Mithilfe von Worten, Berührungen und Gesichtsausdrücken kann ein besseres Körperbewusstsein für sich selbst und andere sowie Vertrauen entwickelt werden. Beides ist wichtig, um sich entspannen und hängen lassen zu können. Das Therapeutische Fliegen entwickelt insbesondere dort seine heilende Wirkung, wo die Wirbelsäule vollkommen lockergelassen und die Schwerkraft genutzt werden kann, um muskuläre Verspannungen zu lösen.

Das Therapeutische Fliegen harmonisiert den physikalischen, energetischen und emotionalen Körper (Annamaya Kosha, Pranamaya Kosha und Manomaya Kosha) durch die Erfahrungen und Reflektion im Austausch mit der Gemeinschaft.

Quellenverzeichnis

  • Abookire, David (2021) “AcroYoga Therapeutic Flying”, <https://bouldertherapeutics.com/acroyoga-therapeutic-flying/>, zuletzt aufgerufen am 20210908.
  • AcroYoga.org (2013) „Elements of AcroYoga”, Krishna Copy Center: Berkeley.
  • Adu-Sanyah, Afia Joy (2020) „Wie im 7. Himmel – Therapeutisches Fliegen“, <https://www.unit-yoga.de/index.php/wi-wie-im-siebten-himmel-therapeutisches-fliegen-afia-joy-feb-2020/articles/wie-im-siebten-himmel-therpaeutisches-fliegen-mit-afia-joy-adu-sanyah-15-feb-2020-in-wiesbaden.html>, zuletzt aufgerufen am 20210910.
  • Center of Gravity (oJ), „Therapeutisches Fliegen – gemeinsam leise“, <https://center-of-gravity.de/unser-blick-auf-acroyoga/>, zuletzt aufgerufen am 20210909.
  • Eichhammer, Michael (2021) „Was ist Acro Yoga? Übungen und Figuren erklärt“, <https://web.de/magazine/gesundheit/acro-yoga-uebungen-figuren-erklaert-34623378>, zuletzt aufgerufen am 20210908.
  • Evidero (oJ) „Therapeutisches und akrobatisches Fliegen beim Acro-Yoga: So bringt dich Yoga hoch hinaus“, <https://www.evidero.de/vertrauen-beim-acro-yoga>, zuletzt aufgerufen am 20210905.
  • Gotzler, Max (2017) „AcroYoga 101: Krafttraining, Yoga und Therapie in einer Aktivität“, <https://www.flowgrade.de/blog/acroyoga-101-kraftrraining-yoga-und-therapie-in-einer-aktivitaet/>, zuletzt aufgerufen am 20210909.
  • Luvyio (2020) „AcorYoga – Zusammen ist man weniger allein“, <https://eu.luviyo.com/blogs/yoga-blog/acroyoga>, zuletzt aufgerufen am 20210905.
  • , Mimi (2019) „Partner-Workout: Gemeinsam abheben mit AcroYoga“, <https://www.fitforfun.de/workout/yoga-und-co/flugstunde-mit-acroyoga-381861.html>, zuletzt aufgerufen am 20210910.
  • Nguyen, Mai (2019) „Therapeutisches Fliegen – Lerne Fliegen! – Der AcroYoga Podcast“, <https://www.youtube.com/watch?v=tda22-p3fgI>, zuletzt aufgerufen am 20210908.
  • Smith, Nicky (2017) “Step-by-step Thai Massage”, Anness Publishing Ltd: London.
  • Steinbach, Miriam (2021) „AcroYoga: So funktioniert es!“, <https://www.mylife.de/sport-fitness/yoga/acroyoga/>, zuletzt aufgerufen am 20210910.
  • Svaha, Jana (2021) „Thai Yoga Massage: Meditation in Bewegung”, <https://blog.yoga-vidya.de/thai-yoga-massage/>, zuletzt aufgerufen am 20210910.
  • Yoga Vidya (2020) „AcroYoga“, <https://wiki.yoga-vidya.de/AcroYoga>, zuletzt aufgerufen am 20210905.

Photo by Jannes Jacobs on Unsplash