Chakrenlehre & Anahata

Autor*in:Simone Müller, 01. Oktober 2017
Kommentar:Alle abgebildeten Abschluss- und Hausarbeiten im Spiritainment sind, wie auch diese, im Rahmen von Inner Flow Ausbildungen entstanden. Sie sind weiter geistiges Eigentum der Autor*innen und werden mit deren freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht.

I. Ursprung der Chakren-Lehre

Die Lehre über die Chakren, den Energie- und Bewusstseinszentren des Menschen, ist mindestens 5.000 Jahre alt. Sie entstammt dem ältesten System zur Entwicklung des ganzheitlichen Menschen – dem Yoga. Wir verdanken sie den Rishis – Heiligen und Sehern im Alten Indien.

Die Rishis und Yogis beschäftigten sich von jeher intensiv mit den verborgenen Energien im Menschen und verfügten über eine außergewöhnliche Sensitivität. Indem sie ihr Bewusstsein nach innen richteten und sich in tiefe Meditation versetzten, gelang es ihnen, ihren Blick von der Welt der äußeren Erscheinungen zu lösen und ihn auf die verborgenen Kräfte zu richten, die in jedem von uns wirken. Hellsichtige verschiedener Traditionen haben die Chakren als Blütenform interpretiert, weshalb die Chakren auch so häufig als Blüten mit Blütenblättern (Lotus) dargestellt werden.

Im Lauf der Generationen entwickelte sich so das Wissen über die Chakren. Obwohl die Lehre von den Chakren aus Indien stammt, findet man in vielen anderen Kulturen ganz ähnliche Erkenntnisse. So gibt es Chakren-Systeme z. B. im Buddhismus, Hinduismus, Yoga, Tantra, in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Qigong, bei den Inka und bei den nordamerikanischen Indianern. Aber auch im Westen haben sich über die Zeit neue Chakren-Systeme entwickelt, so zum Beispiel das 12-Chakren-System, das von vielen Energie-Heilern verwendet wird.

Wenn über Chakren gesprochen wird, ist jedoch meist das System der sieben Haupt-Chakren gemeint, wie es vor allem durch Yoga im Westen bekannt wurde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass von allen Chakren die nachfolgend beschriebenen sieben die größte Bedeutung besitzen.

II. Was sind Chakren?

Der Begriff Chakra stammt aus dem Sanskrit, der altindischen Gelehrtensprache. Er bedeutet so viel wie „Rad“, „Scheibe“ oder „Wirbel“ im Sinne von kreisförmiger Energiebewegung oder Energiewirbel. Ein Chakra ist eine Art Transformator, durch den die astrale Energie im physischen Körper wirksam werden kann. Chakren sammeln, transformieren und verteilen die sie durchströmende Energie. Sie sind spezifische „Kraftorte“ mit Sitz in einem bestimmten Teil des Körpers. Chakren sind wichtige Energie- und Bewusstseinszentren, Lagerplätze für Energiekräfte und Verbindungspunkte zwischen dem physischen Körper und dem subtilen, feinstofflichen Energiekörper.

Wie oben bereits erwähnt, befinden sich die Chakren in einer ständigen Drehbewegung. Durch das Kreisen ziehen sie Energie von außen an und verteilen diese im feinstofflichen Körper. Über die Chakren nehmen wir Energie aus unserer Umwelt auf. Die Chakren erfüllen also die Funktion, den feinstofflichen und den physischen Körper mit Lebensenergie (Prana) zu versorgen und zwischen den Körpern Energie und Information zu übertragen.
Was ist Energie? Die kürzeste und zugleich zutreffendste Antwort auf diese Frage ist mit nur einem Wort gegeben: Alles!! Alles schwingt, alles ist Energie. In der Sprache der Yogis heißt sie Prana. Wenn alles Energie bzw. Prana ist und wenn diese in allem wirkt, was existiert, dann natürlich auch in der uns umgebenden Natur, in Mineralien, Pflanzen, Tieren und natürlich auch in uns Menschen. Energie in diesem allumfassenden Sinne heißt in der Sanskrit-Sprache Maha Prana, das Große Prana. Sie hält den gesamten Kosmos in Gang.

Wie entstehen die Chakren? Die Yogatradition geht davon aus, dass es in unserem Körper rund 72.000 feinstoffliche Energiebahnen (Sanskrit: Nadis) gibt. Die Nadis bilden ein feines Netzwerk von Leitbahnen, das sich über den ganzen Körper erstreckt. Auf der körperlichen Ebene entsprechen die Nadis den Nerven. Ihre Wirkungsweise reicht jedoch bis in die feinstoffliche und mentale Ebene. Jedes einzelne Chakra ist Ausgangspunkt für Tausende von feinstofflichen Energiebahnen, die strahlenförmig von den Chakren nach außen strömen, und über die Energie in den ganzen Körper weitergeleitet wird. Unter den vielen Nadis spielen die sogenannten Hauptnadis Ida, Pingala und Sushumna, bei der Erweckung der Chakra-Energien eine herausragende Rolle.

Ida befindet sich in der linken Körperhälfte (Parasympathikus) und wirkt gegengleich auf die rechte Gehirnhälfte. Ida ist Träger der Mondenergie (Chandra), der weiblichen, gefühlsbetonten Kraft.

Pingala befindet sich auf der rechten Körperhälfte (Sympathikus) und wirkt gegengleich auf der linken Gehirnhälfte. Pingala symbolisiert die Sonnenenergie (Surya), die männliche, analysierende und nach außen gehende Kraft.

Sushumna verläuft mittig, der Wirbelsäule entlang im zentralen Rückenmarkskanal (Zentralnervensystem). Sie beginnt am unteren Ende der Wirbelsäule (Muladhara Chakra) bis zum Brahmarandhra (Schädelöffnung, Fontanelle), repräsentiert das Bewusstsein und symbolisiert das Feuer (Agni).

Ida und Pingala verlaufen schlangenförmig von einer Seite des Körpers zur anderen. In den Kreuzungspunkten treffen sie auf Sushumna. Diese Kreuzungspunkte bilden Energiezentren – die 7 Haupt-Chakren:

Bildergebnis für Ida pingala sushumna nadi
Sitz der 7 Haupt-Chakren im Körper

Bezeichnung und Bedeutung der 7 Hauptchakren:



Hauptchakren
Kshetra (Feld)SanskritBedeutung
1. Wurzelchakra, Basischakranach untenMuladharaVerbindung zum Irdischen, Lebenskraft, Erfolg, Überleben
2.Sakralchakranach vorneSvadhishthanaKörperliche Emotionen,Lebenslust, Schaffenskraft
3.Solarplexuschakra oder Nabelchakra, Sonnengeflechtnach vorneManipuraGedanken, Glaubensmuster, Intellekt
4.Herzchakranach vorneAnahataHöhere Liebe, Hingabe, Mitgefühl, Herzensfreude
5.Halschakra oder Kehlkopfchakranach vorneVishuddhaHöhere Wahrheit, Weisheit und Individualität
6.Stirnchakra, Drittes Augenach vorneAjnaÖffnung zur und Ausdruck der Seele
7.Kronenchakra, Scheitelchakranach obenSahasraraGöttliche Bestimmung und Verbindung für unsere Seele und unseren Körper

Bevor man also damit anfangen kann, sämtliche Vorteile der Chakren-Harmonisierung zu verstehen, muss man wissen, was ein Chakra eigentlich ist. Das kann ein ziemlich schwer verständliches Konzept für viele Leute sein. Man sollte sich für den Anfang merken, dass es insgesamt sieben Haupt-Chakren gibt, die entlang der (feinstofflichen) Wirbelsäule angeordnet sind.

III. Einfluss der Chakren auf Körper und Geist

Jedes Chakra ist verbunden mit einer spezifischen Schwingungsfrequenz bzw. Beschaffenheit des Pranas. Damit wird jedes Chakra zu einem Schalter, der bestimmte Bewusstseinsebenen aktiviert. All unsere Gedanken, Gefühle, Eigenschaften und Wahrnehmungen hängen mit der Energie in unseren Chakren zusammen.

Die Energie im Körper befindet sich stets in Bewegung, weshalb es auch wichtig ist, dass die Chakren geöffnet bleiben, sollen sie die Energie doch ständig fließen lassen können. Dadurch können die Chakren nicht blockieren und den Menschen entsprechend „gesund“ halten. Sobald ein Chakra blockiert ist, befindet sich der Mensch nicht mehr im Gleichgewicht. Das kann körperliche, emotionale und mentale Probleme verursachen, die Körper und Geist in Mitleidenschaft ziehen. Schließlich wird sogar das spirituelle Ich negativ beeinflusst.

Da Chakren nicht nur Energie-, sondern auch Bewusstseinszentren sind, führen Chakra-Übungen zu einer Erweiterung des Bewusstseins und der spirituellen Entwicklung. Innere Fehlhaltungen werden korrigiert, seelische Nöte, Ängste, innere Unruhe oder depressive Verstimmungen werden aufgelöst. Gelassenheit und Ruhe gehören zu den ersten Wirkungen, die Yoga-Praktizierende schon nach relativ kurzer Zeit erleben. Doch nicht nur Körper und Seele, auch der Geist wird durch Chakra-Übungen harmonisiert. So lösen sich mit der Zeit negative Gedankenmuster auf. Wenn man damit beginnt, seinen Geist auf die Bewusstseinszentren zu lenken und sich für lichte Kräfte öffnet, führt dies nicht selten dazu, dass sich plötzlich ungünstige Gedanken, Verhaltensweisen und schädliche Gewohnheiten auflösen (z. B. aufhören zu rauchen, keinen Alkohol mehr trinken, sich liebevoll um seinen Körper kümmern usw.).

Das heißt, zu gegebener Zeit aktiv daran zu arbeiten, die Chakren wieder freizumachen. Sie jedoch offen zu halten ist eine große Herausforderung, wenn sich der Mensch seiner Chakren gar nicht richtig bewusst ist. Dieses Bewusstsein für die Chakren zu entwickeln ist also der erste Schritt um sicherzustellen, die Chakren zum eigenen Vorteil einzusetzen, sich gesund zu halten und mit allem umgehen zu können, was einem das Leben so in den Weg stellt.

IV. Charakteristik des Herz-Chakra (Anahata Chakra)

Anahata: Sanskrit = unbeschädigt, unangeschlagen, ohne Makel

Anahata Chakra
  • Häufige Bezeichnungen: 4. Chakra, Herzchakra, Anahata-Chakra
  • Lage: in der Brustwirbelsäule auf Höhe des Herzens
  • (Aura)Farbe: Grün
  • Yantra (Symbol): Hexagramm (6-zackiger Stern)
  • Anzal der (Lotus)Blütenblätter: 12
  • Mantra: Yam (gesprochen: Jaaam)                                                                          
  • Element: Vayu (Luft)
  • Körperfunktion: Herz, Lunge, Blut, Arme und Hände
  • Sinnesfunktion: Tasten, Fühlen – Sinnesorgan also die Haut
  • Zentrale Themen: (universelle) Liebe, Mitgefühl, Kommunikation, Menschlichkeit, Zuneigung, Geborgenheit, Offenheit, Toleranz, Herzensgüte, Verbundenheit (mit allem)

Das Anahata-Chakra liegt im Zentrum des Chakrasystems. Das Herzchakra bildet das Zentrum des Menschen – die Menschenmitte. Das Herzchakra liegt zwar auf Höhe des anatomischen Herzens, ist jedoch nicht nach links verschoben, sondern liegt mitten in der Brust. Sein Kshetram (Feld) strahlt in der Höhe des Herzens nach vorne.

„Anahata“ bedeutet so viel wie „unbeschädigt“. Dies deutet darauf hin, dass wir in unserem spirituellen Herzzentrum geborgen und frei von Makel sind. Was auch immer uns im Leben widerfahren mag – wenn es uns gelingt, uns mit der ursprünglichen Kraft der Liebe zu verbinden, finden wir Trost und Kraft.

„Anahata“ bedeutet aber auch „unangeschlagen“. In Anahata-Chakra entstehen Klänge, die man in tiefer Meditation hören kann. Diese Klänge entstehen nicht aus dem Aneinanderschlagen von zwei Gegenständen, sondern sind transzendenter Natur – also jenseits dessen, was der Mensch normalerweise mit seinen Sinnen wahrnehmen oder erfahren kann.

Bildergebnis für hexagramm

Das Symbol des Anahata-Chakra ist das Hexagramm. Es ist eine Einheit aus zwei Dreiecken, deren Spitzen nach oben und nach unten weisen. Damit erschließt sich ein Teil der Bedeutung – das Obere und das Untere sind verbunden. Das Symbol steht demnach für das Verbindende.

Im physischen Körper ist das Herz-Chakra mit dem Herzen und der Lunge und damit mit Atmungs- und Kreislaufsystem verbunden. Das Sinnesorgan, das diesem Chakra zugeordnet ist, ist die Haut bzw. der Tastsinn.

Das Herzchakra ist das Zentrum der universellen, überpersönlichen Liebe. Aus dem Herzchakra strömen die Kräfte, die den Menschen mit seinen Mitmenschen verbinden. Wahres Mitgefühl, das Sich-Hineinversetzen (Empathie) in andere und das tiefe Verständnis für den anderen sind allesamt emotionale Fähigkeiten, die zeigen, dass das Bewusstsein bereits eine hohe Stufe der Entwicklung erreicht hat. Das Herzchakra beherbergt das Verlangen nach Selbstakzeptanz und ist für die innere Harmonie genauso wichtig, wie für das emotionale Gleichgewicht.

Menschen mit einem starken Herzchakra überwinden ihre egoistischen Interessen und überschreiten damit ihre Begrenzungen. Im Gegensatz zur persönlichen Liebe, die sich nur auf den eigenen Partner, die engsten Freunde oder Familienmitglieder erstreckt, öffnet sich die überpersönliche Liebe jedem. Aus dieser offenen Haltung entsteht Toleranz. Diese Toleranz anderen Menschen, Ideen und Kulturen gegenüber bildet die Basis der Mitmenschlichkeit, die in allen Religionen gefordert wird.

Anahata Chakra ist der innere Tempel, in dem Atman, das göttliche Selbst wohnt. Sivananda sagte: „Willst du Frieden finden? Schließe Türen und Fenster (die Sinne) und ruhe in der innersten Kammer (Anahata).“

V. Anahata-Chakra-Blockaden erkennen

Um ganzheitlich „gesund“ zu bleiben, ist es wichtig über die Dinge Bescheid zu wissen, welche die Chakren blockieren und deren Fluss unterbrechen können. Eine der Hauptaspekte für negative Beeinflussung der Chakren generell sind negative Emotionen. Es muss sich hier nicht einmal um die eigenen Emotionen handeln. Die Negativität anderer kann sich ebenfalls schlecht auf die eigenen Chakren auswirken und krank machen. Einschneidende und traumatische Erlebnisse oder eine negative Erfahrung, ein verletztes Vertrauen, Enttäuschung oder Trauer, können z. B. das Herzchakra blockieren und die Schwingungen stören, aber auch ungesunde Ernährung oder negatives Denken. Diese Störungen des Herzchakras können sowohl seelische als auch körperliche Folgen haben.

Ist das Herzchakra blockiert, kann dies eine lieblose, verbitterte Haltung erzeugen. Es entsteht das Gefühl, von anderen getrennt und isoliert zu sein. Kontaktschwierigkeiten und Einsamkeit sind häufige Folgen dieser Einstellung. Störungen im Funktionsbereich des Herzchakras können aber auch dazu führen, dass man sich zu wenig von anderen abgrenzt und den Kontakt zur eigenen Identität verliert.

Menschen mit blockiertem Herzchakra befinden sich meist in „ungesunden“ Beziehungen. Sie haben oft Probleme mit dem Herz oder mit den Lungen. Das häufigste Leiden, welches sich bei einer Blockade dieses Chakras ausprägt, ist Asthma. Die (meist unbewusste) Angst, Liebe zu geben und zu empfangen, verhindert, dass Gesundheit, Freude und Güte in unser Leben kommen. Angst ist das Gegenteil von Liebe. Das Herzchakra wird schwächer, wenn wir Dinge meiden, die wir angenehm finden und wir unter Verlusten leiden. Das Unterlassen von Dingen, die wir angenehm finden, hindert das Herzchakra an seinem Hauptziel: Lieben. Die Grundhaltung des Herzchakra basiert nämlich auf Liebe, Mitgefühl und Heilung. Die Grundlage aller Heilung ist die Heilung des Herzens, damit wir wieder lieben können. Liebe ist der Kern unseres Lebens. Wenn Wunden das Herz geschlossen haben, muss es wieder aktiviert werden.

Durch verschiedene Methoden der Chakra-Arbeit, die im nachfolgenden Kapitel noch erläutert werden, können die Chakren auf sanfte Weise aktiviert und entwickelt werden. So können Offenheit, Herzensgüte, Toleranz, Liebe und Mitgefühl kultiviert und die Beziehung zu den Mitmenschen bereichert werden.

VI. Methoden der Chakra-Arbeit

Chakra-Arbeit ist der Überbegriff für alle Techniken, die im Bereich der Chakren und ihrer Energiekreisläufe ansetzen. Sie ist eine Energietherapie, durch die das menschliche Energiesystem verbessert werden kann. Dazu gehören die klassischen Chakra-Yogaübungen (Asanas) und Atemtechniken (Pranayama), welche die Chakren gezielt entwickeln, aber auch Maßnahmen, die die Chakren durch Naturheilmittel (z. B. Bachblüten), Heilsteinen (z. B. Aventurin für das Herzchakra), Farben (Lichttherapie), Düfte (Aromatherapie), Klänge (Gong, Mantra-Singen, Kirtan) oder Chakra-Massage harmonisieren bzw. aktivieren und so unser Wohlbefinden erhöhen.

Für manche Menschen, die sich rein auf die Yogaübungen konzentrieren, ist es schwierig, sich mit anderen esoterischen Methoden anzufreunden und diese in die Chakra-Arbeit einzubeziehen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass sich diese unterschiedlichen Ansätze sehr gut ergänzen und kombinieren lassen. 

Wie man seine Chakren harmonisieren bzw. aktivieren möchte, bleibt einem selbst und seiner Vorliebe überlassen. Man sollte sich die Methoden heraussuchen, die einen am meisten ansprechen und mit denen man sich spontan gut anfreunden kann.Wichtig ist die konzentrierte und sensitive Arbeit mit den Chakren. Die Chakra-Arbeit ist also eine wirkungsvolle Möglichkeit, um Körper, Geist und Seele zu heilen. Es lassen sich folgende positive Effekte festhalten:

Auswirkungen auf den Körper

  • Das körpereigene Abwehrsystem wird gestärkt
  • Der Kreislauf wird harmonisiert
  • Die Organe werden entgiftet
  • Die Durchblutung wird verbessert
  • Haltungsschäden werden korrigiert
  • Der Stoffwechsel wird aktiviert
  • Die Sauerstoffaufnahme erhöht sich
  • Die Funktion der Organe wird verbessert
  • Der Alterungsprozess wird verzögert

Auswirkungen auf das Bewusstsein

  • Ängste werden abgebaut
  • Die Gemütsstimmung hellt sich auf
  • Erschöpfungszustände und depressive Stimmungen verschwinden
  • Gelassenheit und innere Ruhe werden gefestigt
  • Der Schlaf wird tief und ruhig
  • Suchtmechanismen können leichter durchbrochen werden

Auswirkungen auf den Geist

  • Das Konzentrationsvermögen wächst
  • Das Gedächtnis verbessert sich
  • Negativem Denken wird der Nährboden entzogen
  • Das Sich-Sorgen-Müssen und Grübeleien verlieren an Einfluss
  • Geistige Klarheit entsteht
  • Die eigenen Ziele werden leichter erkannt und verwirklicht
  • Das Wesentliche ist leichter vom Unwesentlichen zu unterscheiden

VII. Yoga-Übungsprinzipien zu Anahata-Chakra

Die grundlegenden Übungsprinzipien zur Gestaltung einer Anahata-Chakra Yogastunde sollten folgende Aspekte beinhalten:

  • Physische Konzentraktion:     Herzöffnung mit Rückbeugen und Drehhaltungen
  • Energielenkung:                       Brustkorb
  • Emotionaler Schwerpunkt:     Verbundenheit
  • Gedankenqualität:                   Achtsamkeit
  • Spirituell:                                  Ich bin mit allem verbunden

Anahata-Chakra stärkende Asanas sind speziell alle Rückbeugen aber auch Drehhaltungen.

  • Auf körperlicher Ebene dehnen Rückbeugen die Körpervorderseite, machen die Wirbelsäule flexibler und stärken häufig auch die Rückenmuskulatur.
  • Auf energetischer Ebene aktivieren die Übungen besonders Anahata-Chakra.
  • Auf geistiger Ebene wirken Rückbeugen herzöffnend und befreiend.

Beispiel zum Ablauf einer Anahata-Chakra Yogastunde:

1. Anahata-Pranayama zur meditativen Harmonisierung

  • Ausführung in einem aufrechten, stabilen Sitz (z. B. Schneidersitz)
  • Hände über das Anahata-Chakra legen
  • Augen schließen und Körper, Gefühle sowie Gedanken beobachten
  • Einatmend visualisieren, wie kosmische Lebensenergie in Form eines grünen Lichtstrahls von außen in die Hände einströmt
  • Ausatmend visualisieren, wie die Lebensenergie von den Händen in das Herzchakra fließt und nach und nach erst die Brust, dann den gesamten Körper durchstrahlt
  • Diese Übung für mindestens 7 Atemzüge wiederholen
  • Zum Schluss ggf. eine Affirmation wie „Ich bin Liebe und Liebe ist das Zentrum meines Lebens“ mit 3 tiefen Atemzügen in den Brustraum besiegeln
  • langsam die Augen öffnen und die Stellung auflösen, nachspüren
  • Aufwärmen mit dem Sonnengruß (Surya Namaskar) für 6 – 8 Runden
    Durch die aktivierende Wirkung auf das Kreislauf- und Atemsystem ist das Surya Namaskar als Ganzes für eine Anahata-Chakra Yogastunde sehr empfehlenswert. Besonders die Positionen 2 und 4 wirken direkt auf Anahata-Chakra ein (hier das Bewusstsein in den Brustraum lenken).

2. Der Hauptteil sollte aus Anahata-Chakra stärkenden Asanas, aufgebaut werden, dies sind z. B.:

  • der Fisch (Matsyasana)
  • die Kobra (Bhujangasana)
  • der Bogen (Dhanurasana)
  • das Kamel (Ushtrasana)
  • die Schulterbrücke (Setu Bandhasana)
  • das Rad (Chakrasana)
  • der Halbmond (Anjaneyasana)
  • friedvoller Krieger (Shakti Warrior)
  • der Drehsitz (Ardha Matsyendrasana)
  • der Tänzer (Natrajasana)
  • das Dreieck (Trikonasana), gedrehtes Dreieck (Parivrtta Trikonasana)
  • die schiefe Ebene und der Tisch (Purvottasana)

Hierbei auf einen harmonischen Ablauf achten, zu viele Wechsel von liegenden über sitzenden zu stehenden Asanas vermeiden. Außerdem zwischen den Rückbeugen auch Gegenhaltungen ausführen (Vorbeugen) oder Nachspüren z.B. in der Kindposition (Balasana).

3. Endentspannung mit Meditation für das Herzchakra

Die Meditation für das Herzchakra besteht aus zwei Teilen und kann sowohl im Sitzen als auch in Rückenlage durchgeführt werden.
Im ersten Teil geht es um die Erfahrung, wie der Herzschutz als Schild gegen Negativität funktioniert. Seine Qualitäten sind Liebe, Freude, Verbundenheit mit allem und Frieden. Er ist ein unverwüstliches Schild, das vor Schwierigkeiten schützt, denen wir im Leben begegnen. Wer sich schnell verletzt fühlt und empfindlich auf die Außenwelt reagiert, wird durch diese regelmäßige Übung seinen Herzschutz stärken. Ein starker Herzschutz beschützt die Reinheit des Herzens.

Im zweiten Teil der Meditation geht es um das Herz selbst. Es ist immer rein und unschuldig. Wenn man in die Tiefen seines Herzens hineinfühlt, öffnet sich der Kontakt zur Spiritualität.

  • Komme in der Endentspannung in Shavasana an (Asana-Aufbau anleiten), schließe die Augen und spüre die Berührungspunkte deines Körpers zum Boden. Lasse den Atem, den Körper und die Gedanken zur Ruhe kommen.
  • Entspanne jedes einzelne Körperteil vom Kopf bis zu den Füßen (einzeln anleiten). Lasse gefühlte Verspannungen in den einzelnen Körperteilen los.
  • Visualisiere einen grünen Halbmond über der Brust. Mache die Form größer und intensiviere die Farbe. Das ist dein Herzschutz – ein sicherer Hafen für den reinen und freundlichen Geist des Herzens. Vergrößere ihn, indem du Liebe, Frieden, Verbundenheit mit allem und Freude empfindest.
  • Dann stelle dich selbst in einer schönen Naturlandschaft vor (ggf. Landschaft vorgeben, wie grüne Bergwiese, Sandstrand, Wald o.ä.). Genieße den Frieden und die Heilung, die von diesem Ort ausgehen. Fühle dich hier sicher und geschützt (einen Moment in Stille verweilen).
  • Jetzt fühle in dein Herz. Lasse es größer werden und fülle dein ganzes Wesen mit seiner kostbaren Energie. Fühle die Liebe in dir, die dich und die ganze Welt heilen kann. Das Herz ist der Raum, in dem das Göttliche wohnt. Entspanne dich in dem Bewusstsein, dass du diesen Kontakt immer bei dir hast. Du weißt, dass du immer geliebt und geschützt wirst.
  • Lasse nun dein Bewusstsein in deinen Herzraum eintreten. Erkenne den Diamanten deines Selbst, der in der Innenseite deines Herzens leuchtet. Der Diamant ist dein Licht, der unendliche Teil, das Göttliche in dir. Das Licht ist zeit-, form- und inhaltslos. Es existiert nur. Sei dir bewusst, dass du mit diesem Ort in deinem Innern stets verbunden bist. Du kannst ihn immer betreten. Dort gibt es nur Liebe, Licht und Güte. Genieße diesen Ort einen Moment in der Stille.
  • Mache dich langsam bereit, dich von diesem Ort wieder zu verabschieden und in das Hier und Jetzt zurückzukehren mit der tiefen Erkenntnis, dass du Liebe bist, die du fühlst. Trage dein Licht der Liebe in die Welt hinaus und lasse es auf dich selbst zurückscheinen.
  • Führe die ersten kleinen Bewegungen deines Körpers achtsam durch und richte dich mit geschlossenen Augen über die Seite langsam wieder auf.
  • Nimm die Hände vor die Brust in Namaste und wiederhole die Affirmation vom Anfang deiner Yogastunde „Ich bin Liebe und Liebe ist das Zentrum meines Lebens“. Besiegele diese Affirmation mit 3 tiefen Atemzügen in den Brustraum.
  • Verabschiede dich von deiner Endentspannung und öffne die Augen.

Weitere Möglichkeiten zur Aktivierung bzw. Erweckung des Herzchakra sind

  • Bhramari-Pranayama (Bienenatmung)
  • Mantra-Meditation (besonders mit dem Mantra So-Ham) mit Konzentration auf den Herzraum
  • Kirtan
  • Gong-Meditation

VIII. Zusammenfassung – Resümee

Die Methoden des Yoga sind ganz wesentliche Techniken, die das Ziel verfolgen, uns mit unserer Lebensenergie zu verbinden, ihren freien Fluss zu unterstützen und die verschiedenen Kräfte in uns auszugleichen, um Gesundheit, Wohlbefinden und inneres Wachstum zu fördern. Grundlegender betrachtet geht es darum, „heil“ oder „ganz“ zu werden, also alle Aspekte unseres Seins zu sehen, sie anzuerkennen und in positiver Weise zu entwickeln und zu integrieren. Das schließt Körper, Gefühle, Gedanken und unser Streben nach spiritueller Erfüllung mit ein.

Ganz besonders gilt dies für Übungen, die direkt auf unsere Chakren oder Energiezentren einwirken. Wenn wir lernen, unsere Wahrnehmung durch achtsames Spüren zu sensibilisieren, können wir Zugang zu unseren Chakren bekommen.

Die Entwicklung eines offenen Herz-Chakra beispielsweise entsteht aus der Erkenntnis, dass wir selbst Liebe sind. Dieses Wissen hilft uns, Abweisung oder Verlust zu lindern. Die Entwicklung von Mitgefühl für Menschen, die uns nicht angemessen und so lieben können, wie wir es möchten, ist das Bewusstsein eines reaktivierten Herzens. Spirituelle Erleuchtung ist die Erkenntnis, dass wir Liebe sind. Was wir außerhalb von uns selbst suchen, ist die Reflexion unseres wahren Ichs. Wenn wir wissen, dass wir Liebe sind, findet die Liebe einen Weg in unser Leben. Wenn wir die – das Herzchakra blockierende – Betrübnis loslassen, öffnen wir uns für den Kanal der Liebe. Eines der wichtigsten Prinzipien der Heilung ist also, dass wir uns selbst lieben.

Für viele Yoga-Praktizierende bedeutet Yoga heute primär Körperarbeit. Wer allein diesen Zugang sucht, kann zwar die philosophischen und psychologischen Abschnitte des Yoga außen vor lassen und allein mit den Körperübungen bzw. Asanas arbeiten. Doch ein vollständiges Bild des faszinierenden (Chakra) Yoga kann man erst erhalten, wenn sich Körper- und Atemarbeit mit Meditation, philosophischer Betrachtung und praktischer Psychologie verbinden. Die Arbeit mit dem eigenen Körper, dem Geist und den Energien, die in uns wirken, ist eine lebensbereichernde Praxis. Ich rate deshalb jedem Yoga-Praktizierenden, sich dem Yoga und damit auch den Chakren von allen Seiten her anzunähern.

Das Weltall begann mit einer Explosion und es breitete sich in alle Richtungen aus wie die Strahlen der Sonne

Rigveda, um 1500 v. Chr.

IIX. Quellenangaben:

  • Ambika Wauters: Chakren verstehen
  • Marlene Maier: Chakren
  • Richard Hackenberg & Ralph Skuban: Das Chakra-Yoga Praxisbuch
  • Kalashatra Govinda: Chakra Praxisbuch
  • Kalashatra Govinda: Chakras – Die Energiezentren ganzheitlich aktivieren

Internet:       

  • http://www.chakren.net
  • http://www.chakra108.de
  • https://www.vedanta-yoga.de
  • https://wiki.yoga-vidya.de
  • https://www.yogaakademie-austria.com

Photo by Avi Richards on Unsplash